Objekt: [Abteilung 2 = Für die mittleren Klassen, [Schülerband]] (Abteilung 2 = Für die mittleren Klassen, [Schülerband])

hingegen streckt er mit Schnelligkeit gegen den Meister und verbindet 
so durch das unschätzbarste Kunstmittel seine Gruppe mit der vorher¬ 
gehenden. Thaddäus zeigt die heftigste Überraschung, Zweifel und 
Argwohn: er hat die linke Hand offen aus den Tisch gelegt und die 
rechte dergestalt erhoben, als stehe er im Begriffe, mit dem Rücken 
derselben in die linke einzuschlagen, — eine Bewegung, die man wohl 
noch von Naturmenschen sieht, wenn sie bei unerwartetem Borfalle 
ausdrücken wollen: „Hab' ich's nicht gesagt! Habe ich's nicht immer 
vermutet!" — Simon sitzt höchst würdig am Ende des Tisches, wir 
sehen daher dessen ganze Figur: er, der älteste von allen, ist reick 
mit Falten bekleidet, Gesicht und Bewegurlg zeigen, er sei betroffen 
und nachdenkend, nicht erschüttert, kaum bewegt. 
Wenden wir nun die Augen sogleich aus das entgegengesetzte 
Tischende, so sehen wir Bartholomäus, der aus dem rechten Fuße, 
den linken übergeschlagen, steht, mit beiden ruhig aus den Tisch ge¬ 
stemmten Händen seinen übergebogeneu Körper unterstützend. Er 
horcht, wahrscheinlich zu vernehmen, was Johannes vom Herrn aus¬ 
fragen wird; denn überhaupt scheint die Anregung des Lieblingsjüngers 
von dieser ganzen Seite auszugehen. Jakobus der Jüngere, neben 
und hinter Bartholomäus, legt die linke Hand aus Petri Schulter, 
so wie Petrus auf die Schulter Johannis, aber Jakobus mild, nur 
Aufklärung verlangend, wo Petrus schon Rache droht. Und also 
wie Petrus hinter Judas, so greift Jakobus der Jüngere hinter 
Andreas her, welcher als eine der bedeutendsten Figuren mit halbaus- 
gehobenen Armen die flachen Hände vorwärts zeigt, als entschiedenen 
Ausdruck des Entsetzens, der in diesem Bilde nur einmal vorkommt, 
da er in anderen weniger geistreich und gründlich gedachten Werken 
sich leider nur zu oft wiederholt. 
II. Marakierzelchiumgen. 
150. Lorenz Stark. 
(Johann Jakob Engel.) 
Herr Lorenz Stark galt in ganz H., wo er lebte, für einen sehr 
wunderlichen, aber auch sehr vortrefflichen alten Mann. Das Äußer¬ 
liche seiner Kleidung und seines Betragens verkündigte aus den ersten 
Blick die altdeutsche Einfalt seines Charakters. Er ging in ein ein¬ 
farbiges, aber sehr feines Tnch, grau oder bläulich, gekleidet; auf dem
	        
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