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auch der Wissenschaft und ihren Pflegern dankbar, daß sie auf ihrem
Herd das Feuer der Einheit Jahrhunderte hindurch erhalten haben, bis
die Zeit kam, daß ihr wieder Brandstoff zugeführt wurde und daß cs
höher aufflammte und eine befriedigende Leuchte und Wärme gewährte.
Ich möchte vor allen Dingen — Sie werden mir sagen, ich bin ein
alter Konservativer — mich dahin zusammenfassen: Halten wir, was
wir haben! Es sind Kämpfe in Deutschland sa immer gewesen, und die
heutigen Fraktionsspaltungen sind ja auch nur die Nachwehen der alten
deutschen Kämpfe in den Städten zwischen den Geschlechtern und zwischen
den Zünften, in den Bauernkriegen Zwischen den Besitzenden und den
Nichtbesitzenden. Also diese tiefgehenden geologischen Spaltungen im
Deutschen Reich, die lassen Sie uns vertilgen. Wir müssen mit unseren
Gegnern auch Nachsicht haben, jedoch nicht unsererseits darauf verzichten,
zu kämpfen. Das Leben ist ein Kampf, und -ohne innere Kämpfe kämen
wir zuletzt zur Versteinerung. Ohne Kampf kein Leben. Nur muß man
in allen Kämpfen die nationale Frage doch immer als Sammelpunkt
haben, und das ist für uns das Reich, nicht so, wie es vielleicht gewünscht
wird, aber so, wie es besteht, das Reich und sein Kaiser, der der Ver¬
treter davon ist. Und deshalb bitte ich Sie, meine Herren, mit mir ein¬
zustimmen auf das Wohl von Kaiser und Reich, und mögen Sie Anno
1950, soviele noch von Ihnen leben, ebenso den Toast ausbringen: Kaiser
und Reich, sie leben hoch, hoch, hoch!
123. Schiller an Jens Baggesen.
(Am 13. Dezember 1791 schrieb Schiller aus Jena an Gottfried Körner:
„Ich muß Dir unverzüglich schreiben, ich muß Dir meine Freude mitteilen, lieber
Körner l Das, wonach ich mich schon, solange ich lebe, aufs feurigste gesehnt habe,
wird jetzt erfüllt. Ich bin auf lange, vielleicht auf immer aller Sorgen los; ich
habe die längst gewünschte Unabhängigkeit des Geistes. Heute erhalte ich Briefe aus
Kopenhagen vom Prinzen von Augustenburg und vom Grafen von Schimmelmann,
die mir auf drei Jahre jährlich tausend Taler zum Geschenk anbieten, mit
völliger Freiheit zu bleiben, wo ich bin, bloß um mich von meiner Krankheit
völlig zu erholen. Aber die Delikatesse und Feinheit, mit der der Prinz mir dieses
Anerbieten macht, könnte mich noch mehr rühren als das Anerbieten selbst. Ich
werde dir die Briefe in acht oder zehn Tagen schicken. Sie wünschen zwar, daß
ich in Kopenhagen leben möchte, und der Prinz schreibt, daß, wenn ich dann an¬
gestellt sein wollte, man dazu Rat schaffen würde, — aber dies geht so bald nicht,
da meine Verbindlichkeit gegen den Herzog von Weimar noch zu neu ist, und
noch vieler anderen Ursachen wegen, aber hinreisen werde ich doch, wenn es auch
erst in einem oder zwei Jahren geschieht.
Wie mir jetzt zu Mute ist, kannst Du denken. Ich habe die nahe Aussicht,