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IV. 35. Erdmann:
gelbe Farbe, Wohlgeruch u. s. w. sind Eigenschaften der Citrone, der andere
aber sagt: die Citrone ist aus verschiedenen Materien (Stoffen, Substanzen),
die wir Säure, Zucker, Wärme, gelbe Farbe, Wohlgeruch (Parfum oder
ätherisches Öl) u. s. w. nennen, zusammengesetzt, — glauben Sie da etwa,
daß die Säure des einen anders ist, als die des andern, daß der eine mehr
Süßigkeit in seinen Kaffee thut, als der andere Zucker in den seinen, daß
der Wohlgeruch des einen anders beschaffen, als das ätherische Öl des an¬
dern? — Gewiß nicht. Hierin sind beide ganz einig. Nur darin unter¬
scheiden sie sich, wie sie das Verhältnis der Einheit zur Vielheit ansehen.
Dein einen ist die Einheit die feste Grundlage, er nennt darum das eine
allein Substanz (Ding) und behauptet, es seien die vielen ihm accidentell,
sie bestehen nur an ihm, seien das Unselbständige. Ganz umgekehrt der
andere. Jedes der vielen ist ein Selbständiges (Substanz, Stoff); daß sie
zusammen ein Kompositum bilden, ist ihnen accidentell, darum aber besteht
das Ding aus ihnen. Wenn beide, die so ganz entgegengesetzt sprechen,
auf demselben Standpunkte der Wahrnehmung stehen, so beweist dies offen¬
bar ein gewisses schillerndes Wesen dieses Standpunktes, etwas Chamäleon¬
artiges, bei welchem dem Ich unmöglich wohl sein kann, und es begreift sich,
daß es versucht, sich auf einen andern zu erheben, in welchem die Wahr¬
nehmung ebenso kompletiert und ergänzt wird, wie die einfachen Perceptionen
es in der Wahrnehmung wurden. Worin wird diese Ergänzung bestehen?
Da das Ich die Erfahrung macht, daß der wahrgenommene Gegenstand sich
widerspricht, so wird es zuerst zweifelhaft daran, ob es wohl mit dem Gegen¬
stände, wie er wahrgenommen wird, seine Richtigkeit habe, und indem sein
Irrewerden daran immer mehr steigt, so kommt es endlich dazu, von dem
Gegenstände, wie er wahrgenommen wird und wie es mit ihm nicht seine
volle Richtigkeit hat, den Gegenstand zu unterscheiden, wie er nicht wahr¬
genommen wird, wie er aber der eigentliche, richtige Gegenstand ist. Diesen
zwar nicht wahrgenommenen, aber eigentlichen Gegenstand pflegen wir sein
Wesen zu nennen, und so wird also das Unbehagen, welches dem Ich all¬
mählich im Wahrnehmen kommen muß, es dahin bringen, außer oder hinter
dem Wahrgenommenen ein Wesen als den wahren Gegenstand anzunehmen
und nach diesem zu suchen. Da das Wesen nur im Gegensatz gegen das
eigne Wahrnehmen gedacht wird, so ist zum Annehmen und Suchen desselben
eine auf sich selbst gerichtete oder reflektierte Betrachtung nötig, und man
kann die eben beschriebene Gestalt des Ich Reflexion nennen, welche sich
also zu der Wahrnehmung so verhielte, wie diese zum sinnlichen Bewußtsein;
während- jene das Eigentümliche hatte, daß sie ihren Gegenstand als kom¬
binierten hatte, ist das Eigentümliche der Reflexion, daß sie stets außer dem