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4. Die Rosen öffnen sich und spiegeln an der Sonne 
Des kühlen Morgens Perlenthau; 
Der Liljen Ambraduft belebt zu unsrer Wonne 
Der zarten Blätter Atlasgrau. 
5. Der wache Feldmann eilt mit Singen in die Felder 
Und treibt vergnügt den schweren Pflug; 
Der Bögel rege Schar erfüllet Luft und Wälder 
Mit ihrer Stimm' und frühem Flug. 
6. O Schöpfer! was ich seh', sind deiner Allmacht Werke; 
Du bist die Seele der Natur! 
Der Sterne Lauf und Licht, der Sonne Glanz und Stärke 
Sind deiner Hand Geschöpf' und Spur. 
7. Du steckst die Fackel an, die in dem Mond uns leuchtet, 
Du giebst den Winden Flügel zu, 
Du leih'st der Nacht den Thau, womit sie uns befeuchtet, 
Du theilst der Sterne Lauf und Ruh. 
8. Du hast der Berge Stoff aus Thon und Staub gedrehet, 
Der Schachten Erz aus Sand geschmelzt; 
Du hast das Firmament an seinen Ort erhöhet, 
Der Wolken Kleid darum gewälzt. 
9. Den Fisch, der Ströme bläs't und mit dem Schwänze stürmet, 
Hast du mit Adern ausgehöhlt; 
Du hast den Elephant aus Erden aufgethürmet 
Und seinen Knochenberg beseelt. 
10. Des weiten Himmelsraums saphirene Gewölber, 
Gegründet auf den leeren Ort, 
Der Gottheit große Stadt, begrenzt nur durch sich selber, 
Hob aus dem Nichts dein einzig Wort. 
11. Doch, dreimal großer Gott! es sind erschaffne Seelen 
Für deine Thaten viel zu klein; 
Sie sind unendlich groß, und wer sie will erzählen, 
Muß, gleich wie du, ohn' Ende sein. 
12. O Unbegreiflicher! ich bleib' in meinen Schranken, 
Du, Sonne, blend'st mein schwaches Licht, 
Und wem der Himmel selbst sein Wesen hat zu danken, 
Braucht eines Wurmes Lobspruch nicht. 
Friedrich von Hagedorn, 
geb. den 23. April 1708 zu Hamburg, studirte iu Jena die Rechte, besuchte 
1729 London, ward 1733 Secretär einer englischen Handelsgesellschaft in 
Hamburg, starb daselbst den 28. Oktober 1754. — Lieder, Fabeln, Erzählun¬ 
gen, Lehrgedichte. — „Der Hahn und der Fuchs." IV. Thl. Nr. 103. „Das 
Hühnchen und der Diamant." „Der Mai": „Der Nachtigall reizende Lieder."
	        
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