Full text: [Teil 3 = 6., 7. u. 8. Schulj] (Teil 3 = 6., 7. u. 8. Schulj)

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Jetzt, Gesellen, frisch! 
Prüft mir das Gemisch, 
ob das Spröde mit dem Weichen 
sich vereint zum guten Zeichen.' 
Denn wo das Strenge mit dem 
Zarten, 
wo Starkes sich und Mildes paarten, 
da gibt es einen guten Klang. 
Drum prüfe, wer sich ewig bindet, 
ob sich das Herz zum Herzen findet! 
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. 
Lieblich in der Bräute Locken 
spielt der jungfräuliche Kranz, 
wenn die hellen Kirchenglocken 
laden zu des Festes Glanz. 
Ach! des Lebens schönste Feier 
endigt auch den Lebensmai; 
mit dem Gürtel, mit dem Schleier 
reißt der schöne Wahn entzwei. 
Die Leidenschaft flieht, 
die Liebe muß bleiben; 
die Blume verblüht, 
die Frucht muß treiben. 
Der Mann muß hinaus 
ins feindliche Leben, 
muß wirken und streben 
und pflanzen und schaffen, 
erlisten, erraffen, 
muß wetten und wagen, 
das Glück zu erjagen. 
Da strömet herbei die unendliche 
Gabe, 
es füllt sich der Speicher mit köst¬ 
licher Habe; 
die Räume wachsen, es dehnt sich 
das Haus. 
Und drinnen waltet 
die züchtige Hausfrau, 
die Mutter der Kinder, 
und herrschet weise 
im häuslichen Kreise 
und lehret die Mädchen 
und wehret den Knaben 
und reget ohn Ende 
die fleißigen Hände 
und mehrt den Gewinn 
mit ordnendem Sinn 
und füllet mit Schätzen die duftenden 
Laden 
und dreht um die schnurrende Spindel 
den Faden 
und sammelt im reinlich geglätteten 
Schrein 
die schimmernde Wolle, den schnee- 
ichten Lein, 
und füget zum Guten den Glanz und 
den Schimmer 
und ruhet nimmer. 
Und der Vater mit frohem Blick 
von des Hauses weitschaueudem 
Giebel 
überzählet sein blühend Glück, 
siehet der Pfosten ragende Bäume 
uud der Scheuuen gefüllte Räume 
und die Speicher, vomSegen gebogen, 
und des Kornes bewegte Wogen, 
rühmt sich mit stolzem Mund: 
„Fest wie der Erde Grund 
gegen des Unglücks Macht 
steht mir des Hauses Pracht!" 
Doch mit des Geschickes Mächten 
ist kein xwger Bund zu flechten, 
und das Unglück schreitet schnell. 
Wohl! Nun kann der Guß be¬ 
ginnen, 
schön gezacket ist der Bruch; 
doch bevor wir's lassen rinnen, 
betet einen frommen Spruch!
	        
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