Full text: [Teil 2 = Kl. 7] (Teil 2 = Kl. 7)

89 
i 
hatte, wurden auch jetzt wieder auf einem Concil zu Constantinopel 
unter der Regierung des Theodosius verworfen (381). 
Der Kaiser Gratian wurde bald nachher in einer Empörung 
getödtet, und Theodosius war jetzt Alleinherrscher.. Da empörten sich 
die Einwohner von Thessalonich gegen den kaiserlichen Statt¬ 
halter, den sie mit vielen seiner Leute ermordeten. Der sonst so 
edle Kaiser ließ sich in der Hitze seines Zornes zu dem grausamen 
Befehle verleiten, die Empörer niederzuhauen, und es wurden 7000 
Menschen, Schuldige und Unschuldige getödtet. Mit Entsetzen ver¬ 
nahm das ganze Reich die Kunde von dieser grausamen That. Der 
Kaiser hielt sich damals zu Mailand auf, wo der heilige Ambro¬ 
sius Bischof war. Dieser schrieb an den Kaiser, stellte ihm die 
Größe seines Verbrechens vor, forderte ihn auf, dasselbe durch die 
strengste Buße zu tilgen und erklärte ihm, daß — wofern dies nicht 
geschehen würde, er dem heiligen Abendmahle nicht beiwohnen könne. 
Als nun Theodosius, durch dieses Schreiben gerührt, bald nachher 
in der Hauptkirche seine Andacht verrichten wollte, trat ihm der 
ehrwürdige Bischof entgegen, und nachdem er ihm noch einmal die 
Größe seines Verbrechens vorgehalten, ries er aus: „Wie willst du 
die Hände zum Gebet aufheben, die noch von dem Blute der Er¬ 
mordeten triefen? — Gehe also hinweg und vermehre nicht die be¬ 
gangenen Sünden mit neuen! Nimm den Bann willig an, den 
Gott der Herr aller Herren billigt. Dieser Bann hat eine heilende 
Kraft und vermag die Gesundheit der Seele wieder herzustellen." 
Theodosius sagte, sich entschuldigend: „Auch David hat gesündigt!" 
Allein Ambrosius erwiderte: „Hast du David in der Sünde nach¬ 
geahmt, so folge ihm auch nach in der Buße." Reuig und mit 
einer Demuth und Selbstverläugnuug, die ihn mehr zierte, als die 
Krone des Reichs und der Ruhm seiner Thaten, that der Kaiser 
Buße, acht Monate lang in Abgeschiedenheit, in Gebet und Fasten 
zubringend. Als ihn sein Minister Rufinus bat, seinen Kummer zu 
mindern, sprach Theodosius: „Ach, du kennst die Größe meines 
Kummers nicht! Siehe den Sklaven und Bettlern steht das Heilig¬ 
thum des Herrn offen und sie gehen ungehindert hinein und beten zu 
ihrem Gott; mir aber ist der Eintritt versagt und verschlossen sind 
mir die Pforten des Himmels, denn ich gedenke des Wortes, das der 
Herr geredet: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das soll 
auch im Himmel gebunden seyn." 
Auf die inständigen Bitten des Kaisers nahm Ambrosius end¬ 
lich dm Bann von ihm, und als er zum ersten Male die Kirche 
wieder betrat, zog er seinen Kaisermantel aus, warf sich zur Erde 
nieder, und unter Thränen rief er aus: „Meine Seele klebt am 
Staube; erquicke Du mich nach Deinem Worte!" — Das Volk 
weinte und betete mit dem büßenden Kaiser, und Ambrosius reichte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.