Morgengebet. Ein geistlich Kbendlied.
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5. Ach, ins Allerheiligste führt mich
mein Mittler dann, lebt' ich
im Heiligtums
zu seines Namens Ruhme!
halleluja ! Werke. Hrsg. v. R. hamel. Berlin u. Stuttgart o.I.
6. Morgengebet.
Joseph von Lichendorff.
1. (D wunderbares, tiefes Schweigen,
wie einsam ist's noch auf der Welt!
Die Wälder sich nur leise neigen,
als ging der Herr durchs stille Held.
2. Ich fühl' mich recht wie neu geschaffen,
wo ist die Sorge nun und Not!
was mich noch gestern wollt' erschlaffen,
ich schäm' mich des im Morgenrot.
3. Die well mit ihrem Gram und Glücke
will ich, ein Pilger, frohbereit
betreten nur wie eine Brücke
zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.
Werke. 5lusg. v. Max Noch. Stuttgart o. I., II, 299.
7. Lin geistlich Äbendlied.
Gottfried
1. Es ist so still geworden,
verrauscht des Äbends Weh’n,
nun hört man allerorten
der Engel Füße geh’n.
Rings in die Tale senket
sich Finsternis mit Macht —
wirf ab, Herz, was dich kränket
und was dir bange macht!
2. Esruhtdie Weltim Schweigen,
ihr Tosen ist vorbei,
stumm ihrer Freude Reigen
und stumm ihr Schmerzensschrei.
Hat Rosen sie geschenket,
hat Dornen sie gebracht —
wirf ab, Herz, was dich kränket
und was dir bange macht!
Gedickte.
Kinkel.
3. Und hast du heut gefehlet,
o, schaue nicht zurück;
empfinde dich beseelet
von freier Gnade Glück.
Auch des Verirrten denket
der Hirt auf hoher Wacht —
wirf ab, Herz, was dich kränket
und was dir bange macht!
4. Nun steh’n im Himmelskreise
die Stern’ in Majestät;
in gleichem, festen Gleise
der goldne Wagen geht.
Und gleich den Sternen lenket
er deinen Weg zur Nacht —
wirf ab, Herz, was dich kränket
und was dir bange macht!
Stuttgart 1857, J. G. Cotta.