Frühlingslieder.
9
9. Frühlingslieder.
Ludwig Uhland.
a) Frühlingsglaube.
1. Die linden Lüfte sind erwacht,
sie säuseln und weben Tag und Nacht,
sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.
2. Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
man weiß nicht, was noch werden mag,
das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal;
nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.
b) Frühlingsfeier.
1. Süßer, goldner Frühlingstag!
Inniges Entzücken!
Wenn mir je ein Lied gelang,
sollt’ es heut nicht glücken?
c) Lob de:
1. Saatengrün, Veilchenduft,
Lerchenwirbel, Ämselschlag,
Sonnenregen, linde Luft!
2. Doch warum in dieser Zeit
an die Arbeit treten?
Frühling ist ein hohes Fest:
Laßt mich ruhn und beten!
Frühlings.
2. Wenn ich solche Worte singe,
braucht es dann noth großer Dinge,
dich zu preisen, Frühlingstag?
d) Frühlingstrost.
Was zagst du, Lenz, in solchen Tagen,
wo selbst die Dornen Rosen tragen?
e) Künftiger Frühling.
Wohl blühet jedem Jahre
sein Frühling mild und licht,
auch jener große, klare,
getrost! er fehlt dir nicht;
er ist dir noch beschieden
am Ziele deiner Bahn,
du ahnest ihn hienieden,
und droben bricht er an.
Werke, Äusg. v. Rudolf v. Gottschall. Leipzig, Max Hesse, I, S.22/23.