Full text: [Teil 5 = 7. - 9. Schulj] (Teil 5 = 7. - 9. Schulj)

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einmal dicht entwickelt sind, so wird eben ihr Schatten wieder eine Masse, 
die ihnen sremden Wettbewerb vom Leibe hält; im Dunkel des tiefen 
Forstes gedeiht kein Unterholz zu rechter Kraft; ein recht finsterer Fichten¬ 
wald duldet überhaupt nichts unter sich. 
4. Der Mensch, der Vogel, das Eichhörnchen und andere Tiere freuen 
sich am ragenden Stamm und am ragenden Fels; Schutz, Wohnplatz oder 
Nahrung gewährt er ihnen. Aber ebensowohl wie die empfindenden Wesen 
wissen manche Gewächse das Hochstrebende ihren Interessen dienstbar zu 
machen. Das sind die Weinreben, die Bohnen, der Efeu, das ganze Volk 
der schlingenden und kletternden Pflanzen. „Nimm uns mit," sagten sie, 
„wir allein sind zu schwach, um uns zur Sonne durchzuarbeiten, du 
kannst uns halten." Und die Bohne schlingt ihren Stengel am Stamm 
in die Höhe, der Efeu saugt sich mit Haftwurzeln fest, die Weinrebe sendet 
ihre Ranken aus, faßt mit ihnen wie mit Fingern die Zweige und rollt 
sie dann in Schraubenform zusammen, um sich heranzuziehen. So lassen 
sie sich von Stärkeren in die Höhe tragen oder schleichen an Mauern 
und Felsen aufwärts, um auch ihrerseits über die Höhe der kleinen Erd¬ 
geborenen hinaus und zum Genuß der Sonnenstrahlen zu gelangen. Es 
gibt solche Kletterer, die ruhig und scheinbar harmlos in den tropischen 
Wäldern wachsen, solange sie Licht genug empfangen. Steigen ihnen aber 
die nebenstehenden Bäume über den Kopf, dann senden sie plötzlich gerade, 
lange, stachlige Schößlinge zu den Nachbarn hinüber, haken sich mit den 
Stacheln fest und reichen so weit hinauf, daß sie nun ihrerseits über die 
Baumwipfel hinausragen. Dort oben in der freien Höhe legen sie nun 
wieder neue Kolonien von unbewehrten Zweigen an. Sie sind echte 
Raubritter, die sich von allem Licht den ersten und besten Anteil zu 
sichern wissen. 
5. Treten wir ans Wasser. Dort am feuchten Ufer wachsen die 
Schwertlilien, die Rohrkolben, die Kalmus; als schwertförmige Spitzen 
schießen sie in die Höhe, sich durchdrängend ähnlich wie die Spargel, und 
wenn sie in passender Höhe angekommen sind, breiten sie ihre Blätter 
seitlich aus; so gewinnen sie Platz, um Licht zu schlucken. Auf dem Wasser 
selbst aber, da legen die Seerosen und Wasserlinsen ihre Blätter, bzw. 
ihren blattförmigen Körper breit und behaglich an die Oberfläche, um sich 
bescheinen zu lassen. Die winzigen Wasserlinsen gehören zu den stärksten 
Kämpfern unsers Klimas, denn sie können einen Tümpel so vollständig 
überziehen, daß nichts Fremdes mehr unter ihnen fortkommt; nur einzelne 
Wettbewerber können sich in seichtem Wasser gegen sie halten, indem sie 
ihren Stamm ganz über die Wasserfläche hinaussenden oder die Blätter 
an langen, starken Stielen hinüberheben, so z. B. die Froschlöffel. 
Wir zählen keine weiteren Beispiele auf, weil wir uns nur an all¬ 
bekannte Arten halten wollen. Das Gesagte mag genügen, um zu zeigen,
	        
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