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einmal dicht entwickelt sind, so wird eben ihr Schatten wieder eine Masse,
die ihnen sremden Wettbewerb vom Leibe hält; im Dunkel des tiefen
Forstes gedeiht kein Unterholz zu rechter Kraft; ein recht finsterer Fichten¬
wald duldet überhaupt nichts unter sich.
4. Der Mensch, der Vogel, das Eichhörnchen und andere Tiere freuen
sich am ragenden Stamm und am ragenden Fels; Schutz, Wohnplatz oder
Nahrung gewährt er ihnen. Aber ebensowohl wie die empfindenden Wesen
wissen manche Gewächse das Hochstrebende ihren Interessen dienstbar zu
machen. Das sind die Weinreben, die Bohnen, der Efeu, das ganze Volk
der schlingenden und kletternden Pflanzen. „Nimm uns mit," sagten sie,
„wir allein sind zu schwach, um uns zur Sonne durchzuarbeiten, du
kannst uns halten." Und die Bohne schlingt ihren Stengel am Stamm
in die Höhe, der Efeu saugt sich mit Haftwurzeln fest, die Weinrebe sendet
ihre Ranken aus, faßt mit ihnen wie mit Fingern die Zweige und rollt
sie dann in Schraubenform zusammen, um sich heranzuziehen. So lassen
sie sich von Stärkeren in die Höhe tragen oder schleichen an Mauern
und Felsen aufwärts, um auch ihrerseits über die Höhe der kleinen Erd¬
geborenen hinaus und zum Genuß der Sonnenstrahlen zu gelangen. Es
gibt solche Kletterer, die ruhig und scheinbar harmlos in den tropischen
Wäldern wachsen, solange sie Licht genug empfangen. Steigen ihnen aber
die nebenstehenden Bäume über den Kopf, dann senden sie plötzlich gerade,
lange, stachlige Schößlinge zu den Nachbarn hinüber, haken sich mit den
Stacheln fest und reichen so weit hinauf, daß sie nun ihrerseits über die
Baumwipfel hinausragen. Dort oben in der freien Höhe legen sie nun
wieder neue Kolonien von unbewehrten Zweigen an. Sie sind echte
Raubritter, die sich von allem Licht den ersten und besten Anteil zu
sichern wissen.
5. Treten wir ans Wasser. Dort am feuchten Ufer wachsen die
Schwertlilien, die Rohrkolben, die Kalmus; als schwertförmige Spitzen
schießen sie in die Höhe, sich durchdrängend ähnlich wie die Spargel, und
wenn sie in passender Höhe angekommen sind, breiten sie ihre Blätter
seitlich aus; so gewinnen sie Platz, um Licht zu schlucken. Auf dem Wasser
selbst aber, da legen die Seerosen und Wasserlinsen ihre Blätter, bzw.
ihren blattförmigen Körper breit und behaglich an die Oberfläche, um sich
bescheinen zu lassen. Die winzigen Wasserlinsen gehören zu den stärksten
Kämpfern unsers Klimas, denn sie können einen Tümpel so vollständig
überziehen, daß nichts Fremdes mehr unter ihnen fortkommt; nur einzelne
Wettbewerber können sich in seichtem Wasser gegen sie halten, indem sie
ihren Stamm ganz über die Wasserfläche hinaussenden oder die Blätter
an langen, starken Stielen hinüberheben, so z. B. die Froschlöffel.
Wir zählen keine weiteren Beispiele auf, weil wir uns nur an all¬
bekannte Arten halten wollen. Das Gesagte mag genügen, um zu zeigen,