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Title:
[Teil 8]
Persons:
Supprian, Karl Gabriel, Heinrich
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14606481
<br> 81 <br> sumpfiges Bruchland, schwer zugänglich, oder ein dichter Wald iu der Nähe, <br> so geht die Flucht dorthin. Unwegbare Verstecke, noch von der Schwedenzeit <br> her bekannt, werden jetzt wieder aufgesucht. Dort sammeln sich große <br> Scharen, enge gedrängt; unter Rindern und Füllen birgt sich der Städter <br> und der Landmann durch mehrere Tage, zuweilen noch länger. Nach der <br> Schlacht bei Bautzen hauste die Gemeinde Tillendorf bei Bunzlan über eine <br> Woche im nahen Walde. Ihr treuer Seelsorger, Senftleben, begleitete sie <br> und hielt in der Wildnis aus Ordnung, auch ein Kind hat er dort getauft. <br> Wer aber in der Stadt bei seinem Eigentum oder in seiner Pflicht <br> zurückbleibt, der ist eifrig, die Seinen und die Habe zu verstecken. Lange <br> ist der Fall überlegt, und erfinderisch sind Schlupfwinkel ausgedacht. Hat <br> gar die Stadt den besonderen Grimm des Feindes zu fürchten, weil sie <br> durch preußischen Eifer auffällig wurde, dann drohen ihr Brand, Plün¬ <br> derung, Verjagen der Bürger. In solchem Fall tragen die einzelnen Mit- <br> glieder der Familie das Geld fest eingenäht in ihren Kleidern. <br> Eine angstvolle Stunde verrinnt in fiebrigem Hoffen. Auf der Straße <br> raffeln die ersten Verkünder des Rückzugs, beschädigte Geschütze, von Kosaken <br> geführt. Langsam ziehen sie zurück, ihre Mannschaft ist unvollständig, von <br> Pulver geschwärzt, mehr als einer wankt verwundet. Die Infanterie folgt, <br> Wagen, überfüllt mit wunden und halbtoten Kriegern. Die Nachhut postiert <br> sich, am Thor und den Straßenecken den Feind erwartend. Halbwüchsige <br> Buben laufen aus den Häusern und tragen den Kriegern noch zu, wonach <br> sie gerufen, einen Trunk, ein Brot; sie halten den Wunden die Tornister <br> und helfen bei schnellem Verbände. <br> Staubwolken auf der Landstraße! Der erste feindliche Reiter nähert <br> sich dem Thor, vorsichtig spähend, den Karabiner auf dem rechten Schenkel; <br> da fällt aus der Nachhut ein Schuß, auch der Jäger schießt seinen Karabiner <br> ab, wendet das Pferd und zieht sich zurück. Gleich darauf dringt der <br> feindliche Vortrab im schnellen Trabe vor, die preußischen Schützen ziehen <br> sich von Stellung zu Stellung zurück und feuern. Endlich hat der letzte <br> die Häuserreihe verlassen. <br> Leere Straßen, lautlose Stille. Auch die Knaben, welche die preußischen <br> Schützen begleitet haben, sind verschwunden, die Vorhänge der Fenster werden <br> herabgelassen, die Thüren geschlossen, aber hinter Vorhang und Thor spähen <br> ängstliche Blicke auf den heranziehenden Feind. Plötzlich ein rauher tausend¬ <br> stimmiger Ruf: Vive l'empereur! und wie eine Wasserflut stürzt fran¬ <br> zösisches Fußvolk in die Stadt. Sogleich dröhnen die Kolbenschlüge an den <br> Hausthüren; öffnet sich eine Thür nicht schnell, so wird sie zornig erbrochen. <br> Und nun folgt der wüste Streit, welchen der schutzlose Bürger mit dem ge- <br> Gabriel u. Supprian, Lesebuch. 0. 8. g