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Title:
[Teil 8]
Persons:
Supprian, Karl Gabriel, Heinrich
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14606490
<br> 82 <br> reizten Feind auszumachen hat, unerschwingliche Forderungen, Drohung, <br> nicht selten Mißhandlung und Todesgefahr, überall Geschrei, Jammern, <br> Gewaltthat. Schränke und Truhen werden erbrochen, Wertvolles und Wert¬ <br> loses geraubt, verdorben, zerschlagen, am meisten bei solchen, welche geflohen <br> find, denn die Habe ihres ungastlichen Hanfes ist nach Soldatenbranch dem <br> Eindringenden verfallen. Die Behörden der Stadt werden auf das Rathaus <br> geschleppt, und über die Quartiere der Truppen, über Lieferung von Lebens¬ <br> mitteln und Fourage und über eine unmögliche Schatzung, welche die Stadt <br> zahlen soll, beginnt die peinliche Verhandlung. <br> Können die feindlichen Führer nicht durch Geschenke befriedigt werden, <br> oder soll die Stadt eine Strafe erhalten, so werden angesehene Einwohner <br> zusammengetrieben, festgehalten, bedroht, vielleicht beim Ausbruche als Geiseln <br> fortgeführt. Lagert ein größeres Corps um die Stadt, so bivouakiert auch <br> wohl ein Bataillon auf dem Markt. Schnell ist der Franzose eingerichtet, <br> aus den Vorstädten hat er sich Stroh herbeigeholt, die Lebensmittel hat er <br> unterwegs geraubt, zum Brennholz zerschlägt er die Thüren und Möbel, <br> häßlich dröhnt das Krachen der Äxte in den Balken und Schränken der <br> Häuser. Hell flackern die Lagerfeuer auf, lautes Lachen, französische Lieder <br> klingen um die Flammen. <br> Und zieht am Morgen nach einer Nacht, die der Bürger ängstlich <br> durchwachte, der Feind wieder ab, dann sieht der Städter erstaunt die schnelle <br> Verwüstung in der Stadt und vor dem Thor die plötzliche Verwandlung <br> der Landschaft. Das unabsehbare Getreidemeer, welches gestern um seine <br> Stadtmauern wogte, ist verschwunden, von Roß und Mann zerwühlt, nieder¬ <br> gestampft, zertreten; die Holzzäune der Gärten sind zerbrochen, Sommer¬ <br> lauben, Gartenhäuser abgerissen, Fruchtbäume abgehauen. In Haufen liegt <br> das Brennholz um die erlöschenden Wachtfeuer, der Bürger mag darin die : <br> Bretter seines Wagens, die Thore seiner Scheuer finden; kaum erkennt er <br> die Stelle, wo sein eigener Garten war, denn mit Lagerstroh und wüstem j <br> Unrat, mit dem Blute und Eingeweide geschlachteter Tiere ist der Platz i <br> bedeckt. Und in der Ferne, wo die Häuser des nächsten Dorfes aus dem § <br> Baumlaub ragten, erkennt er auch die Umrisse der Dächer nicht mehr; nur 7 <br> die Wände stehen wie ein Trümmerhauf. <br> Herb war es, solche Stunden zu durchleben, und auf Tage entfiel wohl ch <br> manchem der Mut. Auch dem Begüterten wurde es jetzt schwer, den Seinen u <br> nur das Leben zu fristen. Alles war aufgezehrt und verwüstet, die Lebens- , <br> mittel der Stadt und der Umgegend, und kein Landmann brachte das Unent- -ä <br> behrliche auf den Markt, weit in das Land mußte man senden, den Hunger 73 <br> zu stillen. Aber der Mensch wird bei einer schnellen Folge großer Ereignisse Zss