208
Ogeon. Di? Großen und Kleinen Antillen sind Reste eines versunkenen
Kettengebirges; sie sind sämtlich gebirgig, und mehrere tragen tätige
Vulkane, welche durch ihre Ausbrüche oft ungeheure Verwüstungen an¬
richten. So wurde im Jahre 1902 die Stadt St. Pierre (säng piähr)
auf der Insel Martinique (martinik) mit 40 000 E. in wenigen Minuten
vernichtet. Aus dem benachbarten Vulkan strömten glühend heiße Dämpfe
aus, welche alles Lebendige sofort töteten. Die Bahamainseln sind flache
Korallenbauten; auf einer derselben landete Kolumbus 1492.
2. Klima und Erzeugnisse. Die Inseln liegen in der heißen Zone.
Während der Regenzeit fällt der Niederschlag in Strömen, und eine üppige
Pflanzenwelt bedeckt dann das Land. Für den Menschen aber ist die
heißfeuchte Luft sehr ungesund, und die Europäer weroen leicht von dem
gelben Fieber ergriffen und hingerafft. Die Neger dagegen können dem
Klima besser widerstehen; daher ist ihre Anzahl auch viermal so groß wie
die der Weißen; die indianische Urbevölkerung ist gänzlich vernichtet. —
Unter den Nutzpflanzen sind Zuckerrohr und Tabak die wichtigsten; daneben
werden auch Kaffee und Baumwolle angebaut. Cuba, die größte der
Antillen, liefert von allen Ländern der Erde den meisten Rohrzucker und
außerdem den besten Tabak, der besonders von der Hauptstadt Habana aus¬
geführt und nach ihr benannt wird. Jamaica ist durch seinen Rum be¬
kannt, der durch Gärung aus dem Zuckersäfte gewonnen wird.
3. Inseln. Die Großen Antillen heißen: Cuba, Haiti, Puertorico
und Jamaica. Cuba und Puertorico gehören der Union, Jamaica ist
englisch, und auf Haiti bestehen zwei kleine Republiken, die Negerrepublik
Haiti und die Mulattenrepublik San Domingo. Die Kleinen Antillen
sind in den Händen mehrerer Mächte Europas, der Engländer, Franzosen,
Dänen und Holländer. Die Bahamainseln sind englisch, ebenso die weiter
im Atlantischen Ozean liegenden Bermudas.
8. Südamerika.
1. Vodengestalt. An der Westküste Südamerikas zieht von der Süd¬
spitze des Erdteils bis zur Landenge von Panama das mächtige Ketten¬
gebirge der Anden entlang. Der höchste Gipfel desselben ist der 7000 m
hohe Aconcagua. Vom Wendekreise an besteht das Gebirge aus zwei, stellen¬
weise aus drei Hauptkelten, zwischen denen hohe Tafelländer liegen. Auf
einem derselben liegt in fast 4000 m Höhe der Titicacasee. Unter dem Äquator
liegt die Hochebene von Quito (kito) mit dem 6300 m hohen Chimborazo
(tschimborasso). Weiterhin bildet die Ostkette das Küstengebirge von Venezuela.
— Östlich von den Anden liegen noch zwei ausgedehnte niedrige Bergländer,
das Bergland von Guayana (gwasana) und das Brasilianische Bergland.
2. Tiefländer und Flüsse. Zwischen den Gebirgen breiten sich drei
große Tiefländer aus, die Gebiete großer Ströme, des Orinoko, des
Amazonenstromes und des Parana. Die baumlosen Ebenen am Orinico
heißen Llanos (ljanos) und bilden zur Regenzeit ein üppiges Grasmeer.
Der Amazonenstrom ist der wasserreichste Stroni der Erde und besitzt das
größte Flußgebiet; zahlreiche große Nebenflüsse fließen ihm rechts und
links zu. Das ganze Gebiet ist überwiegend mit Urwald bedeckt. Dichtes
Unterholz bedeckt den Waldboden. Schlingpflanzen winden sich um die
Stämme der Baumriesen und verbinden entfernte Äste miteinander wie
schwebende Girlanden. Prachtvolle Blumen bedecken an lichteren Stellen