Full text: Realienbuch zum Gebrauch in den Volksschulen des Fürstentums Lippe

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Ogeon. Di? Großen und Kleinen Antillen sind Reste eines versunkenen 
Kettengebirges; sie sind sämtlich gebirgig, und mehrere tragen tätige 
Vulkane, welche durch ihre Ausbrüche oft ungeheure Verwüstungen an¬ 
richten. So wurde im Jahre 1902 die Stadt St. Pierre (säng piähr) 
auf der Insel Martinique (martinik) mit 40 000 E. in wenigen Minuten 
vernichtet. Aus dem benachbarten Vulkan strömten glühend heiße Dämpfe 
aus, welche alles Lebendige sofort töteten. Die Bahamainseln sind flache 
Korallenbauten; auf einer derselben landete Kolumbus 1492. 
2. Klima und Erzeugnisse. Die Inseln liegen in der heißen Zone. 
Während der Regenzeit fällt der Niederschlag in Strömen, und eine üppige 
Pflanzenwelt bedeckt dann das Land. Für den Menschen aber ist die 
heißfeuchte Luft sehr ungesund, und die Europäer weroen leicht von dem 
gelben Fieber ergriffen und hingerafft. Die Neger dagegen können dem 
Klima besser widerstehen; daher ist ihre Anzahl auch viermal so groß wie 
die der Weißen; die indianische Urbevölkerung ist gänzlich vernichtet. — 
Unter den Nutzpflanzen sind Zuckerrohr und Tabak die wichtigsten; daneben 
werden auch Kaffee und Baumwolle angebaut. Cuba, die größte der 
Antillen, liefert von allen Ländern der Erde den meisten Rohrzucker und 
außerdem den besten Tabak, der besonders von der Hauptstadt Habana aus¬ 
geführt und nach ihr benannt wird. Jamaica ist durch seinen Rum be¬ 
kannt, der durch Gärung aus dem Zuckersäfte gewonnen wird. 
3. Inseln. Die Großen Antillen heißen: Cuba, Haiti, Puertorico 
und Jamaica. Cuba und Puertorico gehören der Union, Jamaica ist 
englisch, und auf Haiti bestehen zwei kleine Republiken, die Negerrepublik 
Haiti und die Mulattenrepublik San Domingo. Die Kleinen Antillen 
sind in den Händen mehrerer Mächte Europas, der Engländer, Franzosen, 
Dänen und Holländer. Die Bahamainseln sind englisch, ebenso die weiter 
im Atlantischen Ozean liegenden Bermudas. 
8. Südamerika. 
1. Vodengestalt. An der Westküste Südamerikas zieht von der Süd¬ 
spitze des Erdteils bis zur Landenge von Panama das mächtige Ketten¬ 
gebirge der Anden entlang. Der höchste Gipfel desselben ist der 7000 m 
hohe Aconcagua. Vom Wendekreise an besteht das Gebirge aus zwei, stellen¬ 
weise aus drei Hauptkelten, zwischen denen hohe Tafelländer liegen. Auf 
einem derselben liegt in fast 4000 m Höhe der Titicacasee. Unter dem Äquator 
liegt die Hochebene von Quito (kito) mit dem 6300 m hohen Chimborazo 
(tschimborasso). Weiterhin bildet die Ostkette das Küstengebirge von Venezuela. 
— Östlich von den Anden liegen noch zwei ausgedehnte niedrige Bergländer, 
das Bergland von Guayana (gwasana) und das Brasilianische Bergland. 
2. Tiefländer und Flüsse. Zwischen den Gebirgen breiten sich drei 
große Tiefländer aus, die Gebiete großer Ströme, des Orinoko, des 
Amazonenstromes und des Parana. Die baumlosen Ebenen am Orinico 
heißen Llanos (ljanos) und bilden zur Regenzeit ein üppiges Grasmeer. 
Der Amazonenstrom ist der wasserreichste Stroni der Erde und besitzt das 
größte Flußgebiet; zahlreiche große Nebenflüsse fließen ihm rechts und 
links zu. Das ganze Gebiet ist überwiegend mit Urwald bedeckt. Dichtes 
Unterholz bedeckt den Waldboden. Schlingpflanzen winden sich um die 
Stämme der Baumriesen und verbinden entfernte Äste miteinander wie 
schwebende Girlanden. Prachtvolle Blumen bedecken an lichteren Stellen
	        
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