Full text: [Teil 5 = 6. Schulj., [Schülerbd.]] ([Teil 5 = 6. Schulj., [Schülerbd.]])

— so hat es 105 Millionen Jahre gedauert, bevor die Sonne fertig 
wurde. 
Unter solchen Umständen nehme man es uns Phantasie-Reisen¬ 
den nicht übel, wenn wir ungeheuren Respekt vor der Sonne bekom¬ 
men und von unserer Reisestation aus anfangen, uns einmal in der 
Welt umzusehen, welche von diesem Natur-Ungeheuer erwärmt und 
beleuchtet wird. Bernstein. 
VI. Bilder aus den fremden Erdteilen. 
86. Auf biblischen Pfaden. 
Wenn der geneigte Leser einmal sehen will, wie wahr und 
treu uns die Bibel alle die Geschichten erzählt hat, die sich vor 
Jahrtausenden im heiligen Lande zugetragen haben, so lade ich ihn 
freundlich ein, einmal herüberzukommen nach Jerusalem, in das 
Morgenland. Da kann er sich überzeugen, daß unzählige Dinge, 
Sitten und Gebräuche heute noch gerade so sind, wie vor vier¬ 
tausend Jahren in den Tagen des frommen Erzvaters Abraham 
und seiner Nachkommen, der israelitischen Könige und Propheten. 
1. Von der Kleidung. 
Wer zum erstenmal in Jaffa den Strand des gelobten Landes 
betritt, pflegt sich über die Kleidung der einfachen Landleute nicht 
wenig zu wundern. Denn wenn einer in der deutschen Heimat so 
auf der Straße umherlaufen wollte, so würde sich der geneigte 
Leser wahrscheinlich versucht fühlen, ihn am Hemdzipfel zu fassen, 
ihn beiseite zu nehmen und ihm zu sagen: „Höre, guter Freund, 
schämst du dich nicht? Komm, geh lieber noch einmal hübsch nach 
Hause und zieh dich ordentlich an, bevor du auf der Straße umhcr- 
spazierst! Denn du hast von deinem Anzuge vergessen zum ersten 
deinen Nock, zum andern deine Hose, zum dritten deine.Strümpfe 
und Stiefel und zum vierten deinen Kragen und dein Halstuch." 
Die Leute marschieren nämlich dort in bloßen Hemden ganz un¬ 
geniert durch Stadt und Land, wie wenn sich das von selbst ver¬ 
stände. So einfach mögen sich auch die Jünger des Herrn gekleidet 
haben, als sie noch galiläische Fischer waren. Beim Fischfang 
gürteten sie ihr Hemd auf, wie das heute noch die Leute tun, um 
in ihrer Arbeit ungehindert zu sein. Luther übersetzt das betreffende 
hebräische Wort gewöhnlich mit Leibrock; das war ein Hemd, das, 
wie noch heute bei den Fellachen (Bauern), bis an die àie reichte 
und mit einem Gürtel um die Lenden befestigt wurde. Darüber 
trug und trägt man, wenn man nicht gerade bei der Arbeit ist oder 
sich in den Sonntagsstaat werfen will, einen Mantel. Dieser, in 
der Bibel gewöhnlich Oberkleid genannt, ist aus Schaf-, Kamel-
	        
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