Full text: [Teil 5 = 6. Schulj., [Schülerbd.]] ([Teil 5 = 6. Schulj., [Schülerbd.]])

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Der Weserstrom entsteht aus zwei stattlichen Quellflüssen, der 
Werra, die am Thüringer Walde entspringt und rauschend und 
schäumend daherkommt, und der lieblichen Fulda, deren Quellen 
an der wasserreichen Rhön liegen, und die auf ihrem Wege durch 
das Hessenland das ehrwürdige Bonifaziuskloster Fulda und das 
reizende Kassel berührt. Beide Flüsse vereinigen sich bei der in der 
Geschichte des Welfenhauses oft genannten Stadt Münden. Die 
Aussicht von der Tillyschanze, jenem Punkte, von dem Tilly 1626 
die unglückliche Stadt beschoß, entrollt vor unserm Auge ein Bild 
von außerordentlicher Schönheit. Rings von hohen Bergen ein¬ 
geschlossen liegt tief zu unsern Füßen die betriebsame Stadt mit 
ihren hohen, spitzgiebeligen Dächern, ihrem Kranz von duftenden 
Gärten und schmucken Landhäusern, ihren bedeutenden Hafenan¬ 
lagen und stolzen Brücken. 
Zuerst begleiten den hier etwa 100 Meter breiten Fluß dicht 
bewaldete Bergzüge Von bedeutender Höhe, die mit ihren lang¬ 
gestreckten Mauern beiderseits so dicht herantreten, daß nur für 
unbedeutende Städtchen und kleine Dörfer Raum vorhanden ist. 
Nach etwa 3 Meilen erreichen wir den Solling, dessen gewaltige 
Gebirgsmasse schon in der Ferne mit ihrem dunkeln Fichtenwald 
als blauschwarze Wand erschien. Das Gebirge zwingt den Fluß zu 
einer Abweichung nach Westen. Diese westliche Strecke bietet wie¬ 
der ein prachtvolles Bild; auf dem linken Ufer das hessische Städt¬ 
chen Karlshafen, die hohen, schroffen Berge und die Mündung der 
Diemel; auf dem rechten Ufer die Würgasser Klippen, die sich so 
unmittelbar senkrecht am Ufer erheben, daß der Raum für die 
Eisenbahn aus dem Felsen herausgesprengt werden mußte. Der 
Blick von der höchsten Klippe in das schluchtartig enge Tal ist herr¬ 
lich. Nachdem der Fluß seine ursprüngliche Richtung wieder auf¬ 
genommen hat, berührt er bei dem Dorfe Meinbrexen zuerst unser 
Herzogtum. Der nächste braunschweigische Ort ist Fürstenberg mit 
seinem auf senkrechter Felswand fast 200 Meter über dem Wasser 
thronenden Schloß, in dem Herzog Karl I. die noch jetzt l>e- 
stehende Porzellanfabrik gründete. Boffzen mit seinen Glashütten 
liegt ebenfalls hart am Ufer. 
Das linke Ufer ruft auf dieser Strecke in unserm Gedächtnis 
anziehende Erinnerungen aus der Geschichte wach. Jene hohen 
Berge (Wildberg, Brunsberg) tragen auf ihrer Kuppe die aus 
Wall und Graben bestehenden riesigen Befestigungswerke, in denen 
Wittekind seine Sachsen versammelte, um sich dem siegreich vor¬ 
dringenden Frankenkönige entgegenzuwerfen. Eine Stunde weiter 
liegt die von König Karl gegründete Stadt Höxter und dicht da¬ 
neben die alte Benediktinerabtei Korwep, die auch in der Geschichte 
unseres Landes eine sehr wichtige Rolle spielte, und woraus Ans¬ 
gar, der Apostel des Nordens, hervorging.
	        
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