96 150. Eine Weissagung dem Lernenden. 151. Der Wald und der junge Bauer.
der Vogelsteller kommt und sieht, was für einen Fang er gethan hat,
nimmt er einen Vogel nach dem andern behutsam heraus, dreht ihm
den Hals um und wirft ihn auf den Boden. Als er aber die
mörderischen Finger wieder nach einem Gefangenen ausstreckt und denlt
an nichts, schreit der Gefangene: „Ich bin der Barbier von
Segringen!“ als wenn er wüßte, was ihn retten muß. Der Vogel⸗
steller erschrak anfänglich, als wenn es hier nicht mit rechten Dingen
zuginge; nachher aber, als er sich erholt hatte, konnte er kaum vor
Lachen zu Atem kommen, und als er sagte: „Ei Hansel, hier hätte
ich dich nicht gesucht; wie kommst du in meine Schlinge?“ da antwortete
der Hansel: „Par Compagnie!“ Also brachte der Vogelsteller den
Star seinem Herrn wieder und bekam ein gutes Fanggeld. Der
Barbier aber erwarb sich damit einen guten Zuspruch; denn jeder wollte
den merkwürdigen Hansel sehen, und wer jetzt noch weit und breit in
der Gegend will zur Ader lassen, geht zum Barbier von Segringen.
Merke: So etwas passiert einem Star selten. Aber schon mancher
junge Mensch, der auch lieber herumflankieren als daheim bleiben wollte,
ist ebenfalls par Compagnie in die Schlinge geraten und nimmer
herausgekommen.
Hebel.
150. (150.) Eine Weissagung dem Lernenden.
Mein Kind, laß uns tüchtig lernen; denn du bist nicht zu jung,
daß du's nicht verständest, noch ich zu alt, daß ich Neues nicht noch
zulernen könnte! Gleichviel, ob die Geburt dich hoch oder niedrig ge—
setzt hat, auf der Schulbank, wie auf der Lebensbank gilt nur derjenige
Sitz als ein Ehrensitz, den du dir mit des Kopfes ernstester Anstrengung
errungen und mit des Herzens reinstem Willen bewahret hast. Manch'
Schülerlein, das täglich eine Stunde und mehr in Regen und Sturm
unverdrossen auf seine Schulbank zulief, ist nachher ein Männlein ge—
worden, vor dem selbst Fürsten den Hut zogen. Darum frisch daran
und gäb's auch noch so viel harte Nüsse zu knacken und harte Brettchen
zu bohren und große Steine zu räumen! Dittmar.
151. (161.) Der Wald und der junge Bauer.
Der Besitzer eines Bauergutes hatte unter anderm einen
ziemlich groben Busch, der ihm bei weitem nicht so viel Nutzen
trug, als ein gleieh grobes Stüek Ackerfeld gebracht haben würde-
Er trug daher seinem ältesten Sohne auf, die Biume abzuhauen
und auszurotten.