16
*
27. Der Schmetterling.
Doch welch schreckliche Gefahr nimmt sie hier von neuem wahr!
überall sieht sie an Mauern Spinnen in Geweben lauern.
„Wie viel schlinmer! Doch warum,“ rief sie, „bin ich denn
so dumm? Offen steh'n mir ja Paläste, da vertilgt man solche
Gäste.“
Kaum gedacht und auch gescheh'n. Sie flog in ein Schloß.
„Wie schön! Sorgenlos darf ich hier leben, nicht vor Schwalb'
und Spinne beben.“
Sieh', der Abend kommt heran; man steckt zwanzig Lichter
an. „Welch ein Schimmer! Welch Vergnügen, wie am Tag
umher zu fliegen!“
Aber ach! was sie bedroht, was sie ängstlich floh, den Tod, fand
sie hier; von Lust bethöret, ward sie schnell zu Staub verzehret.
27. (24.) Der Schmetterling.
Der kleine Rudolf kam in wilder Freude aus dem Garten
gesprungen und rief: „Welch ein schönes Vöglein hab' ich ge—
fangen! Es saß auf einer Blume und seine Flügel glänzten wie
lauter Gold und Silber und noch viel
schöner. Da trat ich leise hinzu, griff
darnach und fing es sogleich. Nun will
ich es aber auch recht gut bewahren und
es soll mir nicht enktkommen. Milch und
Brot will ich ihm zu essen geben.“ Also
Perlmutterfalter. n. G. redete der kleine Rudolf.
Da sprach der Vater: „Nun, Rudolf, so laß uns doch auch
deinen schönen Fang bewundern!“
Darauf griff der Knabe hastig in seinen Busen und zog einen
schönen Schmetterling hervor. Aber siehe, die Flügel desselben
hatten ihren Glanz verloren, der bunte Flügelstaub klebte an den
Fingern des Knaben und die zarten Flügel waren ganz zerzauset.
Da seufzte der Knabe bitterlich und sprach: „O, wie ist das
Ding so jämmerlich entstellt worden! Sieht es doch dem Vöglein
nicht mehr ähnlich, das auf der Lilie saßl Pfui, daß es auch so
gebrechlich ist!“ — — So sprach der Knabe und warf das Vöglein
zürnend zur Erde.