32
50. Die Rotkehlchen.
Trank; ich hab's euch gedanket mit schmetterndem Sang. Nun
seid ihr ermüdet, wollt schlafen auch geh'n, — o möget im
Lenz ihr wonnig ersteh'n! Wir Vöglein, wir können so lange
nicht warten. Gott schirme indessen den schlummernden Garten!
Ade! Ade!
Zum Fenster noch einmal blickt's Schwälbchen hinein: Ade,
liebe Kinder, geschieden muß sein! Ich hatte mein Nest an dem
Fenster gebaut; ihr habet mit Freuden die Kleinen geschaut und
gern auf mein Zwitschern des Morgens gehört; ihr habet mir
nimmer den Frieden gestört. Drum möge auch euch in Freud'
und Gefahren der Himmel die liebenden Eltern bewahren!
Ade! Ade!
Löwenstein.
50. (47.) Die Rotkehlchen.
Die Rotkehlchen haben einen artigen Gesang und sind zu—
trauliche und anhängliche Vögel. Obgleich sie Zugvögel sind, so
bleiben doch manche im Winter bei uns. Wenn ihnen dann die
Kälte zu groß wird, so fliegen sie von selbst in die Häuser. So
bemerkte ein Pfarrer, namens G., eines Morgens spät im Herbste
ein Rotkehlchen. Es flog
ihm sogleich in ein warmes
Zimmer nach und fraß von
dem Futter, welches man ihm
hinlegte. Als es satt war,
flatterte es auf den Theetisch
und wollte sich in den Tassen
baden. Man gab ihm daher
Wasser. Es badete sich und
blieb den ganzen Winter da.
Im Anfange des Frühjahrs
wollte G. das Rotkehlchen
freilassen. Er machte eines Morgens das Fenster auf; allein der
Vogel zeigte keine Lust fortzufliegen. Endlich jagte man ihn
hinaus. Er hüpfte nun einige Zeit im Hofe herum, flog aber