Full text: Deutsches Lesebuch für das mittlere Kindesalter beider Konfessionen

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50. Die Rotkehlchen. 
Trank; ich hab's euch gedanket mit schmetterndem Sang. Nun 
seid ihr ermüdet, wollt schlafen auch geh'n, — o möget im 
Lenz ihr wonnig ersteh'n! Wir Vöglein, wir können so lange 
nicht warten. Gott schirme indessen den schlummernden Garten! 
Ade! Ade! 
Zum Fenster noch einmal blickt's Schwälbchen hinein: Ade, 
liebe Kinder, geschieden muß sein! Ich hatte mein Nest an dem 
Fenster gebaut; ihr habet mit Freuden die Kleinen geschaut und 
gern auf mein Zwitschern des Morgens gehört; ihr habet mir 
nimmer den Frieden gestört. Drum möge auch euch in Freud' 
und Gefahren der Himmel die liebenden Eltern bewahren! 
Ade! Ade! 
Löwenstein. 
50. (47.) Die Rotkehlchen. 
Die Rotkehlchen haben einen artigen Gesang und sind zu— 
trauliche und anhängliche Vögel. Obgleich sie Zugvögel sind, so 
bleiben doch manche im Winter bei uns. Wenn ihnen dann die 
Kälte zu groß wird, so fliegen sie von selbst in die Häuser. So 
bemerkte ein Pfarrer, namens G., eines Morgens spät im Herbste 
ein Rotkehlchen. Es flog 
ihm sogleich in ein warmes 
Zimmer nach und fraß von 
dem Futter, welches man ihm 
hinlegte. Als es satt war, 
flatterte es auf den Theetisch 
und wollte sich in den Tassen 
baden. Man gab ihm daher 
Wasser. Es badete sich und 
blieb den ganzen Winter da. 
Im Anfange des Frühjahrs 
wollte G. das Rotkehlchen 
freilassen. Er machte eines Morgens das Fenster auf; allein der 
Vogel zeigte keine Lust fortzufliegen. Endlich jagte man ihn 
hinaus. Er hüpfte nun einige Zeit im Hofe herum, flog aber
	        
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