111. Die sachsische Schweiz.
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Thäler, oft über Felsenmassen sich herabstürzend, strömen kristallreine
und forellenreiche Bäche, die zahlreiche Mühlen in Bewegung setzen und
dem Holzbetriebe aus den fernen Waldungen nach der Elbe die schönste
Lrleichterung verschaffen. Auf den Höhen und am Fuße der Berge
legen zahlreiche Dörfer, umgeben von Feldern und Wiesen oder ver—
belt hinter Bergen und Wäldern, und im Mittelpunkt der sächsischen
Shweiz, am schmalen Wiesenufer der Elbe, winkt das freundliche
Städtchen Schandau dem Wanderer entgegen. Mögen auch diesem Hoch—
ande die Berghöhen und Felshörner, die Gletscher und Eisfelder, die
donnernden Wasserfälle und herrlichen Seeen, die Gemsen und Adler,
die Alpenmatten und Sennhütten der echten Schweiz fehlen, immer wird
aus der Nähe und Ferne die Naturfreunde herbeilocken und den
shönsten Gegenden Deutschlands den Vorzug streitig machen.
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Wenn man von Pillnitz, wo der Porsberg den Eingang zur
sichsischen Schweiz bewacht, durch den Uttewalder Grund mit seinen
0 bis 40 Meter hohen, schauerlichen, überragenden Felsen auf den
hohen Felsenvorsprung der Bastei hinaustritt, da sieht das Auge, nach
E gewendet, nur Berge und Felsen, bald einzeln stehend, bald
meinander gereihet, wie Riesen vor den erstaunten Blicken. Von der
histei steigt der Reisende tief hinab in den Amselgrund, wo der
Unselfal über eine Felsengrotte herabstürzt, und schreitet dann über
die Höhe dem umwaldeten Hocksteine zu. In eine schauerliche Tiefe
haut das Auge hinunter zum tiefen Grunde, durch welchen der Polenz—
ach bald sanft und leise, bald tosend und rauschend dahinströmt.
durch eine Felsenschlucht führt der Weg auf Stiegen und Leitern in
den Grund hinab, dann steil hinauf nach Hohenstein mit seinem alten,
salbzerfallenen Schlosse und weiter den kahlen Felsenplatten des
anded u. Wie ein Gilberjaden shlüngell sich die Polenz in
lefen Wiesengrunde um den Fuß des Felsen, und ringsum bis an den
krnen Horizont liegt die Schweizergegend ausgebreitet. Auf fast senk—
echten Treppen und steilem Sandwege gelangt man in die Tiefe des
Wales, das immer freundlicher sich erweitert und endlich zum Elbthale
und dem nahen Schandau leitet. Durch den frischen Waldesduft des
omantischen Kirnitzschgrundes, von Felsenwänden, die wie Riesenmauern
h auftürmen, und dichtbewaldeten Höhen begrenzt, wandert der
Neisende am Wasserfalle vorüber und dann auf Schlangenwegen hinauf
u dem mächtigen Felsenthore des Kuhstalls. Musik begrüßt ihn,
und durch Spalten und Höhlen umklettert er die hohen Felsenmassen.