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15. Vom Lichte des Kienspans bis zum Lichte der
Elektrizität.
Seit undenklichen Zeiten waren zwei Dinge, der harzige Kien—
span mit seinem armseligen und dürftigen Lichte und die rußige Ol⸗
und Tranlampe, die fast einzigen Beleuchtungsmittel der menschlichen
Wohnungen. Fast möchte man fragen, wie es möglich war, mit ihnen
so lange auszukommen. Von den verschiedenen Arten der Lampen hat
in unsern Tagen eine, die Petroleumlampe, den Vorzug erlangt. Sie
spendet uns, getränkt mit aus der Erde quellendem Ole, ein schönes,
helles Licht, kann aber in der Hand eines unverständigen und unvor⸗
fichtigen Menschen großen Schaden anrichten.
In größeren Städten machte die Straßenbeleuchtung allmählich
große Fortschritte. Ursprünglich dienten mit Pech gefüllte Gefäße
und Pechfackeln zur Erhellung der Nacht und Wege. Hauptstädte
des großen Römerreiches hatten bereits Straßenlicht. Die Deutschen
haben diese Annehmlichkeit lange entbehrt; wer in finsterer Nacht auf
die Straße ging, war genötigt, die Laterue mitzunehmen. Endlich
am man doch auch bei uns darauf, durch Ollampen die Straßen zu
erleuchten. In den Kirchen wurden früher bei gottesdienstlichen
Handlungen Wachslichter angezündet. Talglichter erfand man erst
im 13. Jahrhundert.
Einen großartigen Umschwung erfuhren sowohl Zimmer⸗ als
Straßenbeleuchtung durch die Erfindung des Leuchtgases. Dieses
Leuchtmittel, das Ende des 18. Jahrhunderts zuerst in England an—
gewendet wurde, wird in sogenannten Gasanstalten durch Erhitzung
hon Steinkohlen gewonnen. Heute finden wir in allen großen und
einen Stladten neben dem Petroleum das bequemere und billigere
Gas als Leuchtstoff verwendet. Beide, Gas wie Petroleum, sind als
explodierbare Körper oft schon die Ursache schrecklicher Brandunfälle
geworden. Beim Gasgebrauche stellen sich noch andere Nachteile
heraus. Bei der geringsten Schadhaftigkeit einer Gasleitungsröhre
Zerbreitet sich ein unangenehmer Geruch, und vor allem wird bei
Gasverbreunung der Luft viel Sauerstoff entzogen und eine betrücht⸗
liche Wärme entwickelt, so daß in Räumen mit Gaslicht der Aufenthalt
ungesund und lästig wird.
Frei von allen Schattenseiten jener Leuchtstoffe ist dasjenige Licht,
welches in neuester Zeit die Kraft der Elektrizität erzeugt. Das
elektrische Licht entwickelt fast gar keine Wärme und entnimmt der
umgebenden Luft keinen Sauerstoff zur Verbrennung, so daß es durch
seine Verbrennung der Gesundheit nicht schädlich wird. Es verändert