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51. Der Hirsch am Bache.
51. (48.) Der Hirseh am Bache.
Ein Hirsch trank aus einem kleinen Gewässer und er—
blickte in demselben sein Bild. — „Pürwahr,“ rief er, „die
Natur meinte es nicht so böse mit mir, wenigstens mit meinem
Kopfe nicht! Wie prächtig ist das Geweih, das ihn schmuckt!
Nur meine Schenkel könnten etwas besser sein, und ich würde
dann an vortrefflicher Gestalt allen Tieren Trotz bieten.“
Der Edelhirseh. U20 n. G.
Indem er noch dies sprach, hörte er in der Perne Jagd-
hörner ertönen und sah die Hunde schon, die mit Bellen auf
ihn zueilten. Er flog über die Felder hinweg und lieb seine
Verfolger weit hinter sich. Jetzt kam er in den Wald; aber
indem er auch hier ins Dickicht sich retten wollte, blieb er
mit dem Geweih an den Asten eines Baumes hängen; die
Hunde kamen herbei und rissen ihn nieder.
„Ach,“ seufzte er, indem er verschied, „ieh Unglücklicher
habe thörichterweise meine Preunde für Peinde und meinen
Peind für einen Freund gehalten! Die Schenkel, döe ich
tadelte, hatten mich beinahe schon gerettet, aber das Geweih,
das ich pries, hat mich ins Verderben gestürzt.“
A. G. Meoissnor.