Als sie am nächsten Tage weiterzogen, goß der Hegen
in Strömen, und der Sturm heulte, so daß sie weder weiter
vordringen noch festen Fuß fassen oder von ihren Waffen
überhaupt Gebrauch machen konnten; denn Pfeile, Wurf¬
spieße und Schilde waren durchnäßt und nicht mehr gut
zu gebrauchen. Den Feinden dagegen, die, zumeist leicht
bewaffnet, ungehindert nach Belieben vor- und zurückgehen
konnten, machte ein solches Unwetter wohl weniger zu
schaffen. Außerdem waren sie den Römern an Zahl weit
überlegen; denn auch von denen, die anfangs gezögert hatten,
waren jetzt viele, wenigstens um Beute zu machen, noch
erschienen. So konnten die nunmehr schwächeren Römer
— hatten sie doch schon in den bisherigen Kämpfen starke
Verluste erlitten — um so leichter umzingelt und niederge¬
metzelt werden.
Die Folge davon war, daß Darus und die obersten
Offiziere aus Furcht, lebendig gefangen zu werden oder
durch der verhaßten Feinde Hand zu fallen — verwundet
waren sie nämlich schon — eine traurige, aber durch die
Not gebotene Tat vollbrachten, indem sie sich in ihre eigenen
Schwerter stürzten.
22. AIs das bekannt wurde, dachte niemand mehr,
wenn er auch noch Kräfte hatte, an Widerstand. Die einen
folgten dem Beispiele ihres Feldherrn, die andern warfen
die Waffen weg und ließen sich von dem ersten besten
niederstechen. Fliehen konnte nämlich keiner, auch wenn
er es noch so sehnlichst wünschte. So wurden denn un¬
gehindert Mann und Roß niedergehauen.
Der Bericht des Lucius Rnnaeus Florus über die
Schlacht im Teutoburger Walde.
(Florus, Bellorum omnium annorum DCC lib. II, 30, 29—39.)
Die Erzählung des $ I o r u s weicht von den andern so voll¬
ständig ab, daß sie sich nicht mit ihnen vereinigen läßt'). Sie lautet
folgendermaßen:
*) Ulommsen hat unsrer Meinung nach darüber das richtige
Urteil gefällt, wenn er (Röm. Gesch. V 5. 41 Anm. 1) des $lorus
Bericht „auf dem dramatischen Zusammenrücken der Motive, wie
es allen Historikern dieses Schlages eigen ist", beruhen läßt und
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