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Title:
Geschichte des Mittelalters
Persons:
Welter, Theodor Bernhard
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-11929098
<br> 208 <br> 60. Die Geistlichkeit. <br> Das Christenthum mit seinen Segnungen hatte bereits bei <br> den meisten Völkern Europas Eingang gefunden. Die hohe Ach¬ <br> tung und Verehrung, welche man für die Religion hatte, ging <br> auch auf ihre Lehrer und Prediger, die Geistlichen, über. Ihr <br> Ansehen war um so größer, da sie fast im alleinigen Besitze <br> gelehrter Kenntnisse waren. Zu einer solchen höheren Bildung <br> gab ihnen ihr Stand selbst Antrieb und Gelegenheit. Wegen <br> ihres hohen Ansehens beim Volke und wegen ihrer Einsicht be¬ <br> kamen sie allmälig auch großen Einfluß auf die Regierung der <br> Staaten. Die Fürsten bewarben sich ganz vorzüglich um die <br> Freundschaft der Päpste und Bischöfe, um mit ihrer Hülfe die <br> Unterthanen besser regieren zu können. Darum räumten sie <br> ihnen große Vorrechte ein, gaben ihnen weitläufige Besitzthümer, <br> so daß die höheren Geistlichen in den meisten Staaten, be¬ <br> sonders aber in Deutschland, auch Landesherren wurden. Man¬ <br> cher Kaiser und König hat, wie wir früher gesehen haben, seine <br> Widersetzlichkeit gegen das geistliche Oberhaupt mit dem Throne <br> büßen müssen. Der Kraft und der Festigkeit Gregor's VII. <br> gelang es, die Geistlichkeit von dem Einflüsse der weltlichen <br> Bracht ganz unabhängig zu machen; durch ihn ward sogar das <br> geistliche Oberhaupt zum Richter der Fürsten und Völker er¬ <br> hoben. Hieraus entspann sich ein langwieriger unseliger Streit <br> zwischen der geistlichen und weltlichen Macht, ein Streit, der <br> nicht eher sein Ende nahm, als bis jeder Theil allmälig in die <br> Grenzen seiner ihm gebührenden Macht zurückkehrte. Wie viel <br> Gutes hätte gestiftet, wie viel Unglück vermieden werden kön¬ <br> nen, wenn Beide, Kirche und Staat, jeder Theil innerhalb der <br> Grenzen seiner Befugnisse, sich zur Erreichung ihrer Zwecke ein¬ <br> ander hülfreiche Hand geboten hätten! <br> Geistliche Orden. — Auch das Klosterwesen, von <br> dessen Ursprung bereits im ersten Theile die Rede war, hatte <br> sich sehr ausgebildet und erweitert. Der fromme Abt Bene-