Full text: [Oberstufe, [Schülerband]] (Oberstufe, [Schülerband])

119 
Auf der zu Leyden lag er fleißig dem Studium der 
Sprachen und anderer Wissenschaften ob. finden wir ihn im 
Lager vor der Stadt und Festung Arnheim, welche der Erbstatthalter, 
Fürst Friedrich Heinrich, im Begriff stand den Spaniern wieder 
abzugewinnen. Friedrich dinn nahm ihn väterlich auf und 
größẽen Gefallen an dem fürstlichen Jünglinge, der mit klugem Ver— 
stande den Plänen und ten der Belagerung folgte und eben— 
soviel Kühnheit als Kalthlütigkeit des Mutes zeigte. Zuletzt hielt er 
fich im Haag auf, um sich in dieser Residenz auch mit den Hofsitten 
des Auslandes bekannt zu machen. Der fürstliche Glanz im Haag 
und die Zuvorkommenheit, mit welcher man den in Prinzen 
behandelte, gefielen ihn sehr. Aber bei dieser lockenden ru 
es an Versuchungen zu Üppigkeit und Ausschweifungen aller Art, 
Auch dem jungen n Wilhelm legte man Fallstricke; doch riß 
sich der vn vbon denen los, die ihn verführen wollten. „Ich bin es 
meinen Eltern, meiner Ehre und meinem Vaterlande schuldigl“ so 
sprach er, und aus dem üppigen Hoflager reiste er in das gefahrvolle 
Kriegslager vor der Festung Breda, die der Erbstatthalter eben 
belagerte. Als dieser die ru von dem unerwarteten Eintreffen 
unseres Kurprinzen vernahm, klopfte er ihm beim Empfange auf 
die Achsel und sagte: „Eine solche Flucht beweist mehr Heldenmut, 
als wenn ich Breda exoberte. Vetter, Ihr habt das gethan, Ihr 
werdet mehr thun! Des Größten und Edelsten ist fühig wer sich 
selbst zu besiegen vermag.“ Der n Feldherr, bei dem der 
junge Min nun eine gute Schule der Kriegskunst durchmachte hatte 
83 gesprochen. 1640 gelangte Friedrich Wilhelm zuͤr Regierung, 
und da hat er wirklich große Dinge gethan, so daß die Nachwelt ihn 
mit Recht „den großen Kurfürsten nennt. 
97. Fehrbellin. 
(18. Juni 1675.) 
1. Herr Kurfürst Friedrich Wilhelm, der große Kriegesheld, 
seht, er auf dem ini vor den Geschützen hält! 
Das war ein rasches Reiten vom Rhein bis an den Rhin, 
das war ein heißes Streiten am Tag von Fehrbellin. 
2. Wollt ihr, ihr n Schweden, noch niehr vom deutschen Land? 
Was n ihr in die Marken den wüt'gen Kriegesbrand? 
Herr Lu m von der Seine, der hat euch aufgehetzt, 
daß Deutschland von der Peene n Elsaß werd' zerfetzt. 
3. Doch nein, Graf Gustav Wrangel, hier steh' nun einmal still! 
Dort kommt rr Friedrich Wilhelm, der mit dir reden will. 
Gesellschaft aller Arten bringt er im raschen Ritt 
samt Fahnen und Standarten zur Unterhaltung mit. 
4. Nun seht ihn auf dem ein Kriegsgott ist es, traun! 
Den Boden dort zum will er genau beschaun. 
Und unter seinen Treuen, da reitet 
zuletzt, doch nicht aus Scheuen, Stallmeister Froben an.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.