Paul Gerhardt.
3. Flieht der Jugend Muͤssig⸗ 6. Tragteinander mitGedult,
gang, Niemand lebt doch ausser
Schewet keinen Arbeit Zwang, Schuld;
Leint auff aller Zeiten Noht Glaͤubt nicht einem jedem
Ehrlich werben ewer Brod, Traum,
Vnd bey Leibe stelltden Muth Gebt dem Sathan nirgends
Nicht nur auff ererbtes Gut. Raum.
Stoͤrt ein Windchen ewre Ruh,
4. Freyt in das Gebluͤte Mault nicht, sprecht euch wieder
nicht, zu.
Habt die Tugend im Gesicht, 7. Steigt ein Creutz-Gewitter
Reich vnd Schoͤne-⸗Sein vergeht, auff,
Nur der Tugend Gut besteht; Haltet im Gebeth zuhauff,
Sucht ein Mensch, das euch Hilfft euch Gott nicht alsobald,
an Trew, Werdet nicht verzagt vnd kalt;
Sinn vnd Sitten aͤhnlich sey. Harret sein, es koͤmpt die Zeit,
Daß er euch nach Wunscherfreut.
5. Was euch Gott alsdann 8. Solcher Art wird auch die
beschert, Eh
Schaͤtzt als seine Gab es wehrt, Schafsen ein geringes Weh
Wist, daß jhr auff Lieb vnd Leid Gott wird seine Gnaden-⸗Hand
Selbs von jhm verknuͤpffetsend. Recken vber ewer Band,
Der euch fuͤgt so fest vnd wol, Vnd das ewrig ingemein
Daß kein Mensch euch loͤsen sol. Stets gesegnet lassen seyn.
paul Gerhardt.
1. An das Angesicht.
Gedichtet nach dem Hymnus: Salye caput eruentatum, aus den
Passions⸗Salbe“ des hl. Bernhardi an die leidenden Gliedmaßen
Christi.)
1. O Haͤupt voll Blut und 2. Du edles Angesichte,
Wunden, Dafuͤr sonst schrickt und scheut
Voll Schmerz und voller Hohn! Das große Weltgewichte,
O Haͤupt zu Spott gebunden Wie bist du so bespeit!
Mit einer Dornenkron! Wie bist du so erbleichet!
O Haͤupt, sonst schoͤn gezieret Wer hat dein Augenlicht,
Mil hoͤchster Ehr und Zier, Dem sonst kein Licht nicht
Itzt aber hoch schimpfieret: gleichet,
Gegruͤßet seist du mir! So schaͤndlich zugerichtt?