Full text: Deutsche Geschichte vom 16. bis zum 18. Jahrhundert für die 3. Klasse (Teil 4)

Der siebenjährige Krieg. 1756 —1763. 
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von Zielen, dessen unbedingte Furchtlosigkeit und Pflichttreue aus einem 
tiefen und herzlichen Gottvertrauen entsprangen, und der kühne und frische 
Reitersührer Seydlitz erwerben. 
Einer Welt in Waffen stand König Friedrich wie ein Held gegenüber. 
„Ich aber, dem der Schiffbruch droht, 
Muß, mutig trotzend dem Verderben, 
Als König denken, leben, sterben." 
Er traf in einer Instruktion, die er einem seiner Minister übergab,Anordnungen 
die notwendigen Vorkehrungen für etwa eintretende Unglücksfälle. Falls 
er entscheidend geschlagen würde, so sollte die königliche Familie und der 
Staatsschatz je nach den Umständen nach Magdeburg, Küstrin oder Stettin 
gebracht werden; wenn er selbst fiele, so sollten „die Dinge ohne die 
geringste Veränderung ihren Fortgang nehmen" und seinem Bruder 
August Wilhelm, der als Thronfolger den Titel eines Prinzen von 
Preußen erhalten hatte, die Huldigung geleistet werden. „Wenn ich“, 
fährt er fort, „das Unglück haben sollte, in die Hände des Feindes zu 
fallen, so verbiete ich. daß man auf meine Person die geringste Rücksicht 
nehme; sollte mich ein solches Unglück treffen, so will ich mich für den 
Staat opfern, und man soll meinem Bruder gehorchen, welcher so wie 
alle meine Minister und Generäle mir mit seinem Kopfe dafür haften 
wird, daß man weder eine Provinz noch einen Heller für mich opfern 
und den Krieg mit Verfolgung der eigenen Vorteile fortsetzen wird, gleich 
als wenn ich nie auf der Welt gewesen wäre." 
§ 86. Von Prag bis Leuthen. 1757. Im Frühjahr 1757 brach 1757. 
Friedrich plötzlich über die Pässe des Gebirges in Böhmen ein und be¬ 
siegte den Prinzen Karl von Lothringen, der wieder den Oberbefehl 
führte, bei Prag. Die Preußen erlitten schwere Verluste; der Feld-Prag.-^?,, 
marschall Schwerin, der selbst eine Fahne ergriff und mit ihr den 
Truppen voranstürmte, starb den Heldentod. Aber Karl von Lothringen 
wurde genötigt sich nach Prag zurückzuziehen, das nun von den Preußen 
belagert wurde. 
Da nahte von Osten ein Entsatzheer heran, das von dem Feld¬ 
marschall Dann befehligt wurde; der König mußte sich entschließen ihm 
mit einem Teil seiner Truppen entgegenzugehen. Bei Kolin kam es $$0ttn 
zur Schlacht. Der Feind hatte die Übermacht, und es gelang nicht ihn ~8' '5Unl' 
zurückzudrängen. Als die Seinen zurückwichen, versuchte Friedrich selbst 
sie zu sammeln und gegen eine Batterie zu führen; auch als sie zurück¬ 
blieben, ritt er weiter; erst als ein Offizier ihm zurief: „Sire, wollen
	        
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