— 208 —
Mehrere 1000 Arbeiter aus der Stadt und ihren Dörfern und
aus den angrenzenden Fürstentümern arbeiteten täglich an diesem
Werke, mitunter sogar bei Fackelschein. Auch die Bürger selbst
mußten aus Besehl mit schanzen. Die Arbeit begann am Peters-
berge. Hier wurden die alten Geschützwälle abgetragen und da¬
für neue errichtet. Die spitzen Dächer der Kasernen und Schutz¬
turme wurden durch ebene ersetzt; auch neue Schanzen und tiefe
Laufgräben wurden angelegt. Die Cyriaksburg teilte mit dem
Petersberg dasselbe Schicksal. Hierauf kam die Reibe an die Stadt¬
wälle. Diese beliebten Spazierwege, bisher eine große Zierde der
Stadt, wurden in kahle Verschanzungen umgewandelt. Ihr herr¬
licher, alter Baumbestand siel unter den Aerten der französischen
Zerstörer. Die Aussicht von ihnen in das weite Vorland wurde
durch eine hohe Brustwehr versperrt. Auch einige Tore samt ihren
Brücken riß man nieder und verschanzte sie. Die Stadtgräben'
aber, die man ausgetrocknet und urbar gemacht hatte, wurden
wieder verlieft und mit Gerawaffer gefüllt. Dadurch fetzte man
die ganze Gegend und die Felder vom Dreienbrunnen bis zum
Löbertor und verschiedene Gärten innerhalb des Walles unter
Wasser. Selbst in die Keller vieler Bürgerhäuser drang das Was¬
ser, das sich unterirdisch verbreitete, ein, wodurch den Bewohnern
großer Schaden erwuchs. In der Stadt wurden mehrere alte
Türme und ehemalige, schöne Kasernen bis zum Erdboden abge¬
tragen oder in feste Pulver- und Kugelkammern verwandelt. Zu¬
letzt verwüstete man noch die fruchtbaren, rings um die Stadt ge¬
legenen Gärten, Weinberge und Felder.
Zu Anfang Oktober erhielten dann die Bürger den Befehl,
sich auf vier Monate mit Lebensmitteln zu versehen oder die Stadt
zu verlassen. Die Ausführung dieser neuen Anordnung bereitete
den Bürgern großen Verdruß; denn kaum halten sie das Notwen¬
digste eingekauft, so wurden sie aufgefordert, soundsoviel Scheffel
Mehl und soundsoviel Pfund Fleisch auf die Festung zu liefern.
Wobt oder übel mußte dann mit dem Einkauf wieder von vorn
angefangen werden. Auch bares Geld wurde fortwährend ver¬
langt. Wehrten sich aber die Bürger gegen die Zahlung, so wur¬
den einige als Geiseln auf den Petersberg gebracht, und es hieß:
Folgt ihr jetzt nicht, so erschießen wir sie. Die beiden Buchhänd¬
ler Kevser, Pater und Sohn, saßen immer abwechselnd auf der
Feste. Man holte sie mit Vorliebe, weil sie ihre Treue und An¬
hänglichkeit an Preußen wenig verbargen. (Nach Const. Beyer.)
74. Die flrforder Gciifeln.
'S war Anne dräiz'n, da waren die Franzusen noch Härre
äbber de Stadt Arford o schräbben Stäiern aus wie verreckt, die
hußeu fc Sempeln, on die moßten die Bärger uffbrenge, on nahmen
sich dassertwägen a Stockcr viere rächt angesiehne Bärger als Gai-