Full text: Deutsche Geschichte bis zum Ausgang des Mittelalters (Bd. 4)

Kapitel XIII. Die kulturelle Bedeutung des 13. Jahrhunderts. 83 
So endete das herrliche Haus der Staufen. Mit ihm erlosch das 
Kaisertum für längere Zeit, und unterging der Traum vom kaiserlichen 
Weltreich. Es schien so, als habe das Papsttum gesiegt, aber schou wuchs 
das nationale Königtum im Abendlande machtvoll heran, das nicht daran 
dachte, sich vom Papst beherrschen zu lassen. Besonders die Franzosen 
wehrten sich. 
S 8. Die Demütigung des Papsttums. 
Schon König Ludwig IX. (der heilige) hatte sich gegen Übergriffe der 
des Papstes zu sichern verstanden. Dieser König legte den Grund zu einer bet ifcftan 
französischen Nationalkirche, indem er der Kirche freies Wahlrecht gab und 
jede besondere Bestenernng durch den Papst abwies. Als dann der gewaltige 
Papst Bouifatius VIII. die Besteuerung der Kirche als päpstliches Recht 
beanspruchte, trat ihm der neue König Philipp IV. entgegen. Der Papst 
schickte eine Bulle, in der er anssprach, daß alle Kreatur dem Papst gehorchen 
müsse, wenn sie selig werden wolle. (Bulle unam sanctam*). Darauf ließ 
der König den Papst gefangen nehmen. An den Folgen der Aufregung starb 
der 80 jährige Papst. 
Der nächste Papst und seine Nachfolger wohnten nicht mehr in Rom, 
wo alles drüber und drunter ging, fondern in der französischen Stadt fauüs. 
Avignon und wurden von den französischen Königen abhängig. Schon vor¬ 
her hatte sich Sizilien von der Herrschaft Karls von Anjou losgerissen (durch 
Ausbruch der siziliauischeu Vesper 1282), ltnb Manfreds Schwiegersohn 
Peter von Aragonien besetzte es. 
In Italien aber blieb die stanstsche Partei der Ghibellinen lebendig und 
ruhte nicht eher, bis Italien wieder ein einheitlicher Staat wurde, was es 
freilich erst nach völliger Zerrüttung und Auflösung in viele kleine Staaten 
im Jahre 1866 geworden ist. 
Kapitel XIII. Die kulturelle Bedeutung des J5. Jahrhunderts. 
1. Die Blüte der Bitterkeit. 
Im 13. Jahrhundert erreichte das Rittertum seine Höhe. Die Lehen 1;.Sa9e der 
wurden erblich. Über den gewöhnlichen Dienstadel (Ministeriale) hatte sich h,ttu' 
der Stand der Reichsministerialen erhoben, der besonders eine Stütze der 
Staufen geworden war. Die ursprüngliche Wehrpflicht aller Freien war 
nunmehr ganz auf das Ritteraufgebot beschränkt. Nur in den Städten er¬ 
hielt sich die allgemeine Wehrpflicht. Die Heere der Kaiser waren deshalb 
ganz Reiterheere. Das Fußvolk hatte keine militärische Bedeutung mehr. 
Während der Staud der Reichsritter recht wohlhabend war und sich im Besitz 
*1 Die päpstlichen Bullen haben ihre Namen nach den lateinischen Anfangsbuchstaben.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.