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Das frühere Königreich Polen, seit kurzem bloß das Weichselland genannt
nnd dem übrigen Rußland völlig einverleibt, zählt auf 216 □ M. 5V2 Mill. E.
(1 : 2500). Das alte Königreich Polen umfaßte vor feiner Theilung 12,447 □ M.
und 12V2 Mill. E. und in alten Zeiten noch mehr. Das Land ist, wie Westrußland,
eine große Ebene mit viel Ackerland, aber auch mit großen Morästen, Weiden und
Waldungen, worin noch Wölfe und stellenweise Elenthiere sich finten. Das Klima
ist viel rauher als im uördl. Deutschland. Begünstigungen, welche frühere Könige
den Juden zu theil werden ließen, riefen eine große Zahl derselben (über V2 Mill.)
ins Land. In ihren Händen ist der gesammte Verkehr. Der Adel lebt auf seinen
großen Gütern, das gemeine Volk bebaut den Acker und lebt immer noch unterher-
gebrachtem großen Drucke in Trägheit, Unwissenheit und Unreinlichkeit dahin. Sonst
sind sie tapfer, freiheitsliebend und gewandter als ihre Stammverwandten, die Russen.
Die Polen und die Littauer bekennen sich zur katholischen Religion; wenig zahlreich
sind die griechischen und protestantischen Christen.
Die an der Weichsel gelegene Hauptstadt Warschau, 245,000 E., mit der
die Festung Praga auf dem rechten Ufer durch eine Brücke verbunden ist, hat bei
ihrer weitläufigen Bauart einen Umfang von 4—5 Stunden. In ausgedehnten
Gärten liegen die Paläste der polnischen Großen, die den Winter hier zubringen. In
dem kaiserlichen Schlosse residirt der Generalgouverneur. Zugleich ist Warschau der
Mittelpunkt der Industrie und des Handels; Universität. Denkwürdige Schlacht am
18.—20. Juli 1656. Das weiter uördl. an der Mündung des Bug ln die Weichsel
gelegene Modlin ist eine starke Festung. Zu Kalisch an der preußischen Grenze
schlössen Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Alexander von Rußland 1813 ein
Bündniß zur Fortsetzung des Krieges gegen Napoleon. Cz enstochau a. d. Warthe
hat ein als Wallfahrtsort berühmtes Kloster.
3. Das südliche Rußland.
Die im vorigen Jahrhunderte den Türken entrissenen Länder am schwarzen
Meere find zu der Provinz Südrußland vereinigt worden. Sie umfaßt zugleich
Bessarabien, das Tiefland der russischen Moldau zwischen dem Dnjestr und dem
Pruth, mit den Dnjestrsestungen Bender (Karl XII) und Akjerman (Schiffswerfte,
Weinbau), das Land der donischen und tschernomorischeu Kosaken (südöstl. am
asowscheu Meere) und Ciskankasien. Das an der Mündung des Don gelegene
Asow, einst eine wichtige Festung, ist von Taganrog am westl. Ufer des afowschen
Meeres überflügele Cherson an der Mündnng des Dnjepr ist eine wichtige Han-
delsstadt und Hauptwerfte des schwarzen Meeres. Nikolajew am Bug ist gleich--
salls durch Schiffsbau und einen trefflichen Hafen ausgezeichnet. Allen diesen Städten
hat Odessa, das erst 1795 angelegt worden ist, den Rang abgelaufen. Es hat be-
reits 120,000 E. und ist die wichtigste Handelsstadt am schwarzen Meere. Besonders
ist der Getreidehandel von großer Bedeutung. Der Hasen ist ein Meisterwerk der
Baukunst. — Hierher gehört auch die Halbinsel Krim oder Taurien mit der im
Innern liegenden^ Hauptstadt Simseropol und der 1854 —55 zerstörten, jetzt wie--
der erstehenden Seesestung Sebastopol. Nördl. von der Krim liegt die tanrische
Steppe, die sich über die Landenge Perekop, welche die Krim mit dem Festlande ver-
bindet, fortsetzt, so daß nur die Abhänge der die südl. Küste begleitenden Gebirgs-
züge fruchtbar und bewohnt sind. Die Bewohner beider Landstriche sind Muhamedauer
tatarischen Ursprungs.
Außer den hier angegebenen Theilen gehört zu dem großen Reiche das bereits
Seite 107—109 näher beschriebene asiatische Rußland, das an Größe das euro¬
päische Gebiet weit überragt (270,000 DM), demselben aber an Einwohnerzahl er-
heblich nachsteht (10 Mill. E.).
cc. Rordwcheuropa.
§43. Die skandinavische Halbinsel.
Lage, Grenzen. Die skandinavische Halbinsel, welche sich in einer
^ange von etwa 250 Meilen von N. nach S. erstreckt, lagert sich wie ein