B. Südeuropa. — Italien. 111
Ebene ist wasserarm und Weideland. — Das Klima der Halbinsel ist
Mittelmeerklima, hat milde Winter mit sehr seltenem Schneefall und sonnige,
reaenlose Sommer- Regen im Frühling und Herbst. Em gesurchteter
Wind ist der heiße, schwüle Scirocco. Die vor Nordwinden geschützte
R i v i e r a (= Gestade», am Golf von Genua ist durch chre milden Winter
berühmt und wird von vielen Brustkranken aufgesucht Das Kunm der
Halbinsel ist dem Gedeihen der Südsrüchte (Apfelsinen, Zitronen, Felgen 2c).
zuträglich. „ , „ „ - x
Die Inseln. Die bedeutendste derselben ist ©teilte», durch
die Straße von Messina vont Festlande, getrennt. Ein wellenförmiges
Tafelland, das im N. in regelrechte Gebirgszüge „übergeht,. dte gleichsam
eine Fortsetzung des Apennins bilden. Im 0. der Ätna, eine vereinzelte
Gebirgsmasse vulkanischer Natur mit vielen Kratern Er ist mit 3300 m
die höchste Erhebung Italiens- — Vor der ^--Küste Siciliens die l iPa -
rischen Inseln. durchaus vulkanischer Natur mit dem ununterbrochen
thütigeu Vulkan S t r o m b o l i. Zu Italien gehört ferner die gebirgige
Insel S a r d i n i e ii. — C o r s i k a ist fr an z ö si s ch, die Maltagruppe
englisch.
2. Die Leuioliner bilden ein einheitliches Volk romanischer
Abstammung. Nichtitaliener giebt es sehr wenige im Lande. ..Der Italiener
ist leichter, munterer, erregbarer als der gravitätische Spanier, Phantasie-
reicher und kunstsinniger als der nüchterne Franzose, auch liebt er mehr
als letzterer das cloice far niente (= das süße Nichtsthun), nnd dennoch
erregt' seine Arbeitsthätigkeit nnd Genügsamkeit häufig Bewunderung"
Das ganze Volk ist säst ausschließlich katholisch. In Rom
residiert das Oberhaupt der ganzen katholischen Christenheit des Erd-
kreises. DieVolksbildnng steht aus niedriger Stufe. Starke Auswanderung*).
— Im Altertum war Italien der Kern des großen römischen Reichs,
welches alle Mittelmeerländer nnd weite Hinterländer derselben umfaßte.
Im Mittelalter blühten besonders Kunst und Wissenschaft in Italien.
Noch heute werden die Meisterwerke der berühmten italienischen Maler
bewundert. — Die Hauptnahrungsquelle der Bevölkerung ist
die Landwirtschaft. Der Getreidebau blüht besonders in der Po-
ebene. Italien ist vor,,allen Ländern Europas das Land der Süd-
f r ü ch t e**) und der Ölerzeugung. S e i d e n p r o d u k t i o n be-
sonders iu der Lombardei. Von der gesamten Seidenprodnktion der Erde
liefert Italien Vz. Die Armut an Mineralien, namentlich an Steinkohlen,
läßt die G r o ß i n d n st r i e nicht recht zur EntWickelung kommen. Außer
Seidenindustrie wäre noch die Verfertigung von Thonwaren (Majolika),
Glaswaren und Strohhüten zu nennen. Italien ist der Hauptsitz der
mittelmeerischen Korallens ischerei und Korallenindnstrie. Auch
die Fischerei ist bedeutend. Der Handel beginnt sich seit Eröffnung
des Sues-Kanals und der Tunnelbahnen wieder zu heben.
3. Ortskunde.
s.) I n O b e r i t a l i e Ii: Turin, eine der schönsten Städte Italiens,
am,Po und der Bahnlinie, welche sich an den Mont Cenis-Tunnel an-
'chuetzt^— Genua, m schmier Lage am ligurischen Küsteusaum, Italiens
erste ©e^cindclsstadt — Mailand (410 Tsd. E-) Hst- der Lombardei,
Mischen Tessin und Adda gelegen, größte und reichste Stadt Norditaliens,
Knotenpunkt des oberitalischen Bahnnetzes, Hanptort für Seidenindustrie,
reich an Kunstbauten, worunter der berühmte Marmordom. — Mantua,
*) 1889 wanderten 218418 Personen aus.
**) Wert der Früchteausfuhr 1892: ca. 46 Mill- Mk