Full text: Wirtschaftsgeographie und Wirtschaftskunde der außerdeutschen Länder (Bd. 2)

66 II. Teil. Europa. B. Die einzelnen Länder. Rußland. 
Stallfütterung, Aufzucht von Milchkühen, maschinell betriebene Molkereien, Butter- 
und Käsefabrikation, sogar in steigendem Maße für die Ausfuhr, immer mehr aus. 
Im ganzen ist Rußland trotz seiner großen Rückständigkeit für die Vieh- 
zucht sehr bedeutend. Es besitzt 37 °/0 aller Pferde, 14 °/0 aller Rinder'und 
Schafe, 13 °/0 aller Schweine aus der Erde und nimmt demnach in der Pferde- 
zucht den ersten, in der Rinderzucht den zweiten, in der Schaf- und Schweine- 
zucht den dritten Platz ein.. Die Schafzucht geht jedoch zurück. Dagegen nimmt 
die Geflügelzucht zu und bringt viel Eier zum Export. 
In Jagd und Fischerei gehört Rußland zu den wichtigsten Ländern. 
Sowohl Produkte der ersteren (Pelze und Felle), als der letzteren (Kaviar 
und Hausenblase) werden stark ausgeführt. 
3. Bergbau. Die Bodenschätze werden im allgemeinen nicht so aus- 
gebeutet, wie die Natur es zuläßt. Selbst in den bedeutenden Bergbaugebieten 
Südrußlands werden z. B. Eisenerze von 40—50 °/0 Metallgehalt oft noch 
nicht als abbauwürdig erachtet, während die wichtigsten Eisenerze Deutschlands, 
die „Minette", nur etwa 33 °/0 metallisches Eisen besitzen (vergl. Bd. I, S. 144). 
Die Edelmetallproduktion ist sogar schon seit Jahren stehen geblieben, während 
bei den übrigen Mineralien erhebliche Fortschritte zu verzeichnen sind. 
In der Kohlenproduktion nimmt Rußland mit 2,4 °/o der Welterzeugung 
den sechsten, in der Roheisengewinnung mit 3,9 °/0 den fünften Platz ein. 
In der Platin gewinnung steht es in der ganzen Welt, in der Goldgewinnung 
in Europa an erster, in der Welt an vierter Stelle. Die reichen Petroleum- 
quellen werden noch nicht im eigentlichen Rußland, sondern erst in Trans- 
kankasien ausgebeutet. Dieses Gebiet liefert mehr als die Hälfte der Welt- 
Produktion (51 °/0; die Vereinigten Staaten 42 °/0). 
b. Industrie. 
Die durch die Länge der russischen Winter erzwungene landwirtschaftliche 
Untätigkeit hat die Bevölkerung schon srüh zu industrieller Beschäftigung geführt. 
Auch heute haben wir es in Rußland im wesentlichen noch mit der Haus- 
industrie zu tun. Fabrikmäßige Großindustrie findet sich nur in den kohlen- 
und eisenreichen Bezirken. 
Die Industrie knüpft größtenteils an die vorhandenen Rohstoffe an. Durch 
den Reichtum an diesen ist Rußland aber auch in der Lage, sich wirtschaftlich 
immer mehr selbständig zu machen, und staatliche Maßnahmen helfen, dieses 
Ziel zu erreichen. 
Am wichtigsten ist die Textilindustrie und von dieser wieder die 
Fabrikation baumwollener Gegenstände in Polen (Lodz, Warschau), 
Nordwestrußland (Petersburg, Narwa) und Mittelrußland (Moskau, 
Jaroslaw, Wladimir). Während die bisher besprochenen Länder die Baum- 
wolle ausschließlich von entfernten Produktionsstätten beziehen mußten, baut 
Rußland in seinem transkaukasischen und mittelasischen Besitz einen großen Teil 
seines Bedarfs selbst. Neben der Baumwoll- sind die Wollindustrie mit 
den Hauptzentren Moskau und Warschau, die Leinen industrie in 
Charkow, Twer, Jaroslaw und Orel, sowie die Seidenweberei in
	        
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