Nach einiger Zeit ging die arme Frau wieder in den Wald,
und als sie mit ihrer Bürde auf dem Rückweg an der Stelle war,
wo das kranke Kätzchen gelegen hatte, da stand eine ganz vor¬
nehme Dame dort, winkte der armen Frau und warf ihr fünf
Stricknadeln in die Schürze. Die Frau wußte nicht recht, was sie
denken sollte, und es dünkte sie diese absonderliche Gabe gar
gering. Doch sie nahm die Stricknadeln, zeigte sie ihren Kindern
und legte sie des Abends auf den Tisch. Aber als die Frau des
andern Morgens ihr Lager verließ, siehe, da lag ein Paar neu
gestrickter Strümpfe auf dem Tische. Das wunderte die arme
Frau über alle Maßen, am nächsten Abend legte sie die Nadeln
wieder auf den Tisch, und am Morgen darauf lagen neue Strümpfe
da. Jetzt merkte sie, daß zum Lohne ihres Mitleides mit dem
kranken Kätzchen ihr diese fleißigen Nadeln beschert waren, und
ließ dieselben nun jede Nacht stricken, bis sie und die Kinder
Strümpfe genug hatten. Dann verkaufte sie auch Strümpfe und
hatte genug bis an ihr seliges Ende.
102. Der Schütz. von Friedrich von Schiller.
Wilhelm Tell. Schauspiel. Tübingen 1804. S. 103.
1. Mit dem Pfeil, dem Bogen,
durch Gebirg' und Tal
kommt der Schütz gezogen
früh am Morgenstrahl.
2. Wie im Reich der Lüfte
König ist der Weih,
durch Gebirg’ und Klüfte
herrscht der Schütze frei.
3. Ihm gehört das Weite,
was sein Pfeil erreicht;
das ist seine Beute,
was da kreucht und fleugt.
103. Der kleine Prahlhans. von Helene Binder.
Mütterchen, erzähl' uns was! Herausgegeben von Georg Paysen Petersen.
Hamburg 1894. S. 257.
Zum erstenmal war Listig, der kleine Fuchs, mit seiner Mutter
auf der Jagd gewesen. Er hatte selbst den Auerhahn erspäht,
den seine Mutter dann gewürgt hatte und jetzt für den Vater nach
Hause trug. Füchschen Listig war ganz stolz darauf und sprach:
„Ich bekomme doch ein größeres Stück als die zwei Kleinen, die
faul im Bau geblieben sind? Ja, ich bin auch der klügste von