Full text: Lesebuch für höhere Bildungsanstalten (4)

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Von der Fläe. 
Wir uns abtrotzen lasten durch Gewalt, 
Was wir der Güte weigerten! 
Meier. 
Dann wären 
Wir Sklaven und verdienten es zu sein! 
Auf der Mauer. 
Der sei gestoßen aus dem Recht der Schweizer, 
Wer von Ergebung spricht an Oesterreich! 
— Landammann, ich bestehe drauf, dies sei 
Das erste Landsgesetz, das wir hier geben. 
Melchthal. 
So sei's. Wer von Ergebung spricht an 
Oestreich, 
Soll rechtlos sein und aller Ehren baar, 
Kein Landmann nehm' ihn auf an seinem Feuer. 
Alle (heben die rechte Hand auf). 
Wir wollen es, das sei Gesetz! 
Red ing (nach einer Pause). 
Es ist's. 
Rösselmann. 
Jetzt seid ihr frei, ihr seid's durch dies Gesetz. 
Nicht durch Gewalt soll Oesterreich ertrotzen, 
Was es durch freundlich Werben nicht erhielt.— 
Jost von Weiler. 
Zur Tagesordnung, weiter! • 
Reding. 
Eidgenossen! 
Sind alle sanften Mittel auch versucht? 
Vielleicht weiß es der König nicht; es ist 
Wohl gar sein Wille nicht, was wir erdulden. 
Auch dieses Letzte sollten wir versuchen, 
Erst unsre Klage bringen vor sein Ohr, 
Eh' wir zum Schwerte greifen. Schrecklich 
immer, 
Auch in gerechter Sache, ist Gewalt. 
Gott hilft nur dann, wenn Menschen nicht 
mehr helfen. 
Stauffacher (zu Konrad Hunn). 
Nun ist's an euch, Bericht zu geben. Redet! 
Konrad Hunn. 
Ich war zu Rheinfeld an des Kaisers Pfalz, 
Wider der Vögte harten Druck zu klagen, 
Den Brief zu holen unsrer alten Freiheit, 
Den jeder neue König sonst bestätigt. 
Die Boten vieler Städte fand ich dort, 
Vom schwäb'schen Lande und vom Lauf des 
Rheins, 
Die all' erhielten ihre Pergamente 
Und kehrten freudig wieder in ihr Land. 
Mich, euren Boten, wies man an die Räthe, 
Und die entließen mich mit leerem Trost: 
„Der Kaiser habe diesmal keine Zeit; 
„Er würde sonst einmal wohl an uns denken." 
— Und, als ich traurig durch die Säle ging 
Der Königsburg, da sah ich Herzog Hansen 
In einem Erker weinend steh'n, um ihn 
Die edlen Herrn von Wart und Tegerfeld, 
Die riefen mir und sagten: „Helft euch selbst! 
„Gerechtigkeit erwartet nicht vom König. 
„Beraubt er nicht des eignen Bruders Kind 
„Und hinterhält ihm sein gerechtes Erbe? 
„Der Herzog fleht ihn um sein Mütterliches, 
„Er habe seine Jahre voll, es wäre 
„Nun Zeit, auch Land und Leute zu regieren. 
„Was ward ihm zum Bescheid? Ein Kränz¬ 
lein setzt ihm 
„Der Kaiser auf: Das sei die Zier der Ju¬ 
gend." 
Auf der Mauer. 
Ihr habt's gehört. Recht und Gerechtigkeit 
Erwartet nicht vom Kaiser. Helft euch selbst! 
, Reding. 
Nichts Andres bleibt uns übrig. Nun gebt 
Rath, 
Wie wir es klug zum frohen Ende leiten. 
Walther Fürst (tritt in den Ring). 
Abtreiben wollen wir verhaßten Zwang; 
Die alten Rechte, wie wir sie ererbt 
Von unsern Vätern, wollen wir bewahren, 
Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen. 
Dem Kaiser bleibe, was des Kaisers ist; 
Wer einen Herm hat, dien' ihm pflichtgemäß. 
Meier. 
Ich trage Gut von Oesterreich zu Lehen. 
Walther Fürst. 
Ihr fahret fort, Oestreich die Pflicht zu leisten. 
Jost von Weiler. 
Ich steure an die Herm von Rappersweil.
	        
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