B. Märchen.
38. Bremer Stadtmnsikanten.
Jacob und Wilhelin Grimm, Kinder- und Hausmärchen.
Es hatte ein Mann einen Esel, der ihm schon lange Jahre treu
gedient hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende giengen, so daß er zur
Arbeit immer untauglicher ward. Da wollte 'ihn der Herr aus dem
Futter schaffen; aber der Esel merkte, daß kein guter Wind wehte, lief
fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: „Dort," dachte er,
„kannst du ja Stadtmusikant werden." Als er ein Weilchen fortgegangen
war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie
einer, der sich müde gelaufen. „Nun, was jappst dn so, Packan?"
fragte der Esel. „Ach," sagte der Hund, „weil ich alt bin und jeden
Tag schwächer werde und auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich
mein Herr wollen todtschlagen; da hab' ich Reißaus genommen. Aber
womit soll ich nun mein Brod verdienen?" — „Weißt du was?" sprach
der Esel, „ich gehe nach Bremen, um dort Stadtmusikant zu werden;
geh' mit und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die
Laute, und du schlägst die Pauken." Der Hund war's zufrieden, und
sie giengen weiter. Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an
dem Wege und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. „Nun,
was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?" sprach der Esel.
„Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht?" ant¬
wortete die Katze. ,',Weil ich nun zu Jahren komme', meine Zähne
stumpf werden, und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als
nach den Mäusen herum jage, hat mich meine Frau ersäufen wollen.
Ich habe mich zwar noch fortgemacht; aber nun ist guter Rath theuer;
wo soll ich hin?" „Geh' mit uns nach Bremen, du'verstehst dich doch
auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden." Die
Katze hielt das für gut und gieng mit. Darauf kamen die drei Landes¬
flüchtigen an einem'Hof vorbei, da saß aus dem Thor der Haushahn
und schrie aus Leibeskräften. „Du schreist einem durch Mark und Bein,"
sprach der Esel, „was hast du vor?" „Da hab' ich gut Wetter prophe¬
zeit," sprach der Hahn, „weil unserer lieben Frauen Tag ist, wie sie dem
Ehristkindlein die Hemdchen gewaschen hat, und sie trocknen will; aber
weil, morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hansfrau doch
kein Erbarmen , und hat der Köchin gesagt, sie wollte mich morgen in
der Suppe essen, und da soll ich mir heut' Abend den Kopf abschneiden
lassen. Nun schrei' ich aus vollem Hals, so lang ich noch kann." „Ei