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11. Wie die Löwin ihre Jungen,
Jagt' ich sie den Räubern ab.
Nachbarlich in dieser Hütte —
Komm und schau! erzog ich sie.
Glaubte dich uns längst verloren,
Deine Söhne mir statt deiner,
Deiner wert erzog ich sie.
12. Als die Post erscholl vom
Kriege,
Rusend deinen Namen aus,
Auserweckt vom Totentraume
Rüstet' ich die Jünglinge:
Zieht, verdienet euren Vater!
Streitet unerkannt und werdet,
Werdet eures Vaters wert!
13. Und ich seh', sie tragen Kränze,
Ehrenkränze dir zum Ruhm,
Die du unerkannt den Söhnen
Nicht als Söhnen zuerkannt.
Vater, nimm jetzt deine Kinder!
Feldherr, sieh hier deine Söhne
Und dein Weib Eugenia!" —
14. Was die Schickung schickt, er¬
trage;
Wer ausharret, wird gekrönt.
Placidus, der stillgesinnte,
Lebet noch in Hymnen jetzt;
Christlich wandt' er seinen Namen:
Seinen Namen nennt die Kirche
Preisend Sankt Eustachius.
264. Das Gesicht des Arsenius.
(Ludwig Theobul Kosegarten.)
Arsenius hört' eine Stimme rusen:
„Komm, ich will der Menschen Thun dir zeigen!'
Ter Klausner ging hinaus zum ersten Mal,
Und einen Mohren sah er, welcher emsig
5 Holz hackend einen schweren Bündel häuste.
Und da er ihn zu heben nicht vermochte,
Ihn immerfort mit neuen Scheitern mehrte.
Der Klausner ging hinaus zum ander» Mal,
Und einen Menschen sah er, welcher Wasier
10 Aus einem Teich in eine löchrige
Cislerne goß. Verloren war die Mühe.
Das Wasier floß zurück, der Teich blieb innner
Gefüllt und immer die Cisterne leer.
Ter Klausner ging hinaus zum dritten Mal
15 Und sah gestreckten Laufs zwei trotz'ge Reiter
Mit starken, in die Quer gelegten Balken
Ansprengen gegen eines Tempels Thor.
Umsonst! Anrennend mit dem Balken prallten
Sie stets zurück und blieben ewig draußen.
20 Da sprach Arsenius: „Herr, deute mir,
Was ich gesehn!" Und dieses war die Deutung:
„Der Mohr, der immerfort sein Bündel häuft,
Das ist der Mensch, der manche Sünde that,
Und weil er solche abzuthun verzweifelt,
25 Die alte Sünde stets mit neuer häuft.
Ter Thor, der Wasier schöpft wie in ein Sieb,