Full text: Handbuch der deutschen Literatur (Teil 8 der Ausgabe A, Teil 5 d. Ausgabe B, [Schülerband])

366 
VII. Dichter unsrer Tage. 
Meiner Heimat Buchenwälder 
liegen im Dezemberschnee, 
über meiner Heimat Felder 
Äsung suchend geht das Reh. 
Und im Dorf die minder bauen 
Männer, wenn die Flocken schnein, 
meiner Heimat stille Frauen 
spinnen schon am Winter-Lein. 
Meiner Heimat Tannenreiser 
duften bis zum welschen Strand — 
meine Faust gehört dem Kaiser, 
doch dies Herz dem Vaterland. 
3. Dreigespräch 
Der Abend sank, des Parks Kastanien rauschten, 
ihr Schatten schwankte dunkelnd durch den Saal, 
drin wir zu drill Dämmergespräche führten. 
Der eine saß — ein letzter Funken Licht 
hing noch am Silberrade seines Spornes 
und koste eine alte liebe Hand, 
der andre in der grünen Joppe sprach: 
„Mich soll einmal t)es Waldes Erde haben, 
tief drin im Walde sollt ihr mich begraben! 
Um die Hirschhaut, darein ihr mich legt, 
die Buche die feinen Wurzeln schlägt 
und hält mich in ihren Armen fest, 
wie die Mutter ihr totes Kind nicht läßt. 
Dann schnürt des Nachts der Fuchs vorbei, 
er wittert und lauscht dem Eulenschrei. 
Und fegt der Bock und schlägt mit dem Lauf, 
dann weiß ich da unten: Die Jagd geht auf! 
Dann hör' ich von ferne der Treiber Schrein, 
dann kommen die Vettern vom Brandenstein, 
von Kanis und Ludwigshof durch den Wald, 
und es knackt das Gestrüpp, und die Büchse knallt, 
und die Rüden kläffen, das Echo klingt, 
in den Buchenkronen der Herbststurm singt, 
und fern im Grund, in der Häher Schrei, 
da klingen die Hörner so weich und frei, 
und das alte Jägerherz jubelt mit Macht: 
Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht!" 
Der andre in der Lederweste sprach: 
„Lacht mich nicht aus und denkt nicht drüber nach! 
Mir kam bei meines ,Sperbers' Eallopaden, 
— es war im Großen Preis von Baden-Baden — 
einmal ein Wunsch: Hier hinterm Hindernis, 
da trügst du leicht des Grabes Finsternis! 
In des Geläufes weichen Sand vergraben, 
wo landend ihn der Huf der Gäule schlägt, 
da möcht' ich meine letzte Stätte haben, 
wenn mich der Tod einmal vom Sattel fegt!
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.