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I. Teil. Bilder aus der Geschichte. Muhamed. Bouifacius.
Die Hunnenschlacht. Da die Hunnen fortgesetzt das Land verheerten, so hatte
der König der Westgoten, Theodorich, ein großes Heer gesammelt und stellte sich
mit diesem den Hunnen zum Kampfe entgegen. Bei Chalons an der Marne kam es
(451) zu einer mörderischen Schlacht, in welcher Attila geschlagen und sein Heer
fast gänzlich aufgerieben wurde. Eilig trat er seinen Rückzug an und nicht lange
darauf starb er. Seine Leiche wurde in einen kostbaren goldenen Sarg gelegt: dieser
kam in einem silbernen zu stehen, und beide zusammen wurden in einen eisernen
gesetzt. Seine Waffen und Kostbarkeiten gab man ihm nüt ins Grab. Nach seinem
Tode zerfiel das gestiftete Hunnenreich, und die unterjochten Völker wurden wieder frei.
12. Muhamed. 622.
Mrihameds Jugend. In der Stadt Mekka in Arabien lebte um das Jahr 600 n. Chr.
ein Mann Namens Muhamed. Er stammte aus einer angesehenen Familie und war ein Kauf¬
mann. Als solcher machte er viele Reisen und sammelte große Erfahrungen und Kenntnisse.
Dazu besaß er eine gebietende Persönlichkeit und eine glänzende Rednergabe, wodurch er sich
ganz besonders auszeichnete.
Muhameds Religion. Bald gab er die Handelsgeschäfte auf, zog sich in die Einsam¬
keit zurück und sann darüber nach, wie er eine neue Religion stiften wollte. Die heidnische
Religion seines Volkes verlachte er, die jüdische war ihm zu be>chränkt, und das Christen¬
tum kannte er zu wenig, um von der göttlichen Wahrheit desselben überzeugt zu sein. So nahm
er nach seiner Meinung das beste aus allen drei Religionen heraus und stiftete eine neue
Religion, den Islam. Später wurde letzterer in ein Buch verzeichnet, welches man Ko ran
nannte. Der Koran ist den Muhamedanern das, was uns die Bibel ist. Muhameds Haupt¬
lehren aber waren: „Es giebt nur einen Gott, und Muhamed ist sein größter Prophet.
Beten, Fasten und Almosengeben sind Gott wohlgefällige Werke; doch für seinen Glauben
kämpfen, ist die heiligste That. Alles, was dem Menschen widerfahren soll, ist von Gott
unabänderlich fest vorher bestimmt. Die menschliche Seele ist unsterblich, und es giebt eine
Wiedervergeltung in jenem Leben". — In seiner Heimat fand der Prophet aber wenig Glauben.
Er wurde sogar aus Mekka vertrieben und floh (622) nach Medina. Nach dieser Flucht
(Hedschra) rechnen die Muhamedaner ihre Jahre. In Medina erwarb er sich viele Anhänger,
zog an der Spitze dieser Scharen aus und verbreitete durch Tapferkeit mit dem Schwerte
die neue Lehre. Bald war ganz Arabien unterworfen. Seine Nachfolger, die Kalifen, drangen
weiter vor und eroberten sogar Spanien. Hätte sie nicht Karl Martell (732) bei Tours
an der Loire, gänzlich geschlagen, so wäre es vielleicht dahin gekommen, daß bei uns die
christliche Religion von der muhamedanischen verdrängt worden wäre.
13. Bonifacius. f 755.
Erste Bekehrungsversuche. Als int Innern Deutschlands noch das Heiden¬
tum herrschte, kamen aus Irland und England, wo das Christentum schon in
schönster Blüte stand, einige Apostel übers Meer, um bei uns das Evangelium
zu verkündigen. Der thätigste und eifrigste unter ihnen lvar Winfried Bonifacius,
d. h. Wohlthäter, germnnt. Er lvar der eigentliche Apostel der Deutschen.
Die Donnereiche. Nachdem Bonifacius unter beit wilden Friesen in Holland
gelehrt hatte, kani er auch nach Hessen und Thüringen. An Hessen stand bei Geis¬
mar eine dem Donnergotte geweihte, uralte Eiche, wo die Deutschen ihren Göttern
opferten. Bonifacius hieb sie mit der Axt nieder, und als das Volk sah, daß
von ihren Göttern nichts geschah, ihn für diese That zu strafen, kein Blitzstrahl
zerschmetternd auf ihn niederfiel, so ließen sich viele taufen. Von dem Holze des
Baumes aber ließ Bonifacius ein Kirchlein bauen.
Sein Tod. Als siebzigjähriger Greis ging er noch einmal zu den Friesen, taufte
und bekehrte viele. An einem festlichen Tage aber, tvo er den Neubekehrten seinen
bischöflichen Segen spenden wollte, lvurde er pon einer rohen Schar der Friesen
überfallen und sammt den Seinigen erschlagen. Später brachte man seine Leiche,
wie er es gewünscht, nach dem Kloster Fulda.
14. Karl der Große, König der Franken. 768—814.
Herkunft und Wesen. Karls Vater war Pipin, seines kleinen Wuchses wegen
„der Kleine" genannt. Trotzdem war dieser so stark, daß er einst bei einem Tier-
gefechte einem Löwen, der einen Stier zu Boden geworfen, mit einem einzigen Hiebe