Full text: Lehrbuch der Geschichte der Römer (Teil 2)

84 Die Zerstörung von Karthago, Scipio Afrikanus der Jüngere. III. § 41. 
demselben ihr ganzes, mehr als 50,000 Mann starkes Heer ein Die 
149 Römer aber erklärten jetzt den Krieg. Die beiden Consnln wurden 
v.Chr. nach Afrika geschickt mit der Weisung, den Krieg bis zur Zerstörung von 
Karthago fortzuführen. Vergebens suchten die Karthager den Sturm zu 
beschwören, indem sie die vollständigste Unterwerfung anboten. Die Römer 
sicherten zwar der karthagischen Stadtgemeinde ihr Gebiet, ihre 
Freiheit, ihre Gesetze und ihr Vermögen zu, wenn sie 300 Kinder der an¬ 
gesehensten Familien als Geiseln stellten und in allen Dingen den Befehlen 
der Consuln Folge leisteten. Der Stadt selbst aber wurde nicht erwähnt. 
Die Karthager schickten die 300 Kinder nach Rom. 
Die römischen Consuln, welche mittlerweile in Utrka gelandet 
waren, empfingen die karthagischen Gesandten inmitten ihres im Waffen¬ 
schmucke aufgestellten Heeres und verlangten die Auslieferung aller Waffen. 
Die Karthager brachten ihre Waffen, 200,000 Rüstungen und eine Menge 
von Katapulten (Wurfgeschützen) ins römische Lager. Nun aber forderten 
die Consuln, die Gegner sollten ihre Stadt dem Erdboden gleich machen 
und sich an einem 4 Stunden von der Meeresküste entfernten Orte ansiedeln. 
Den Gedanken, den geliebten Boden der Vaterstadt zu verlassen, ertrug das 
karthagische Volk nicht; es ward von einer furchtbaren Wut erfaßt, so daß 
es die eigenen Gesandten tötete, welche mit der traurigen Botschaft zurück¬ 
kehrten. Die in Karthago weilenden Italiker wurden auf barbarische Weise 
zu Tode gequält. Der karthagische Senat beschloß den Krieg, der ein 
Kampf der Verzweiflung wurde. Der den Römern zu liebe verbannte 
Hasdrubal, welcher ein Heer von 20,000 Mann gesammelt hatte, ward 
zurückberufen. Alle Plätze und Tempel der Stadt wurden zu Werkstätten 
für Kriegswaffen hergerichtet. Die Frauen halfen arbeiten und gaben ihre 
Haare her zu Seilen und Sehnen für Wurfmaschinen. Die Consuln be¬ 
gannen die Belagerung der Stadt; der erste Sturm ward aber zurückgeschlagen. 
Die Römer erlitten in diesem und auch in dem folgenden Jahre 
öfters Niederlagen. Ihr Bundesgenosse Masinissa starb, 90 Jahre alt. 
Da wurde auf den Wunsch des Volkes Publius Cornelius Scipio 
147 Amiliauus (Afrikanus der Jüngere*) zum Consul ernannt. Der alte 
v.Lhr. Cato (gestorben 149 v. Chr.) hatte auf ihn den homerischen Vers angewendet: 
„Er allein ist ein Mann, die andern sind wandelnde Schatten." 
Scipio stellte die Kriegszucht im römischen Heere wieder her und schloß 
die Stadt enger ein. Bald wüteten Hunger und Seuchen in derselben. Im 
146 folgenden Frühjahr erstürmte Scipio Karthago von der Hafenseite 
v.tz.yr. @r hatte aber 6 Tage und Nächte hindurch in den 3 Straßen zu 
kämpfen, die auf die Burg der Stadt führten. Haus für Haus mußte 
erobert werden. 
Am 7. Tage ergab sich die Burg mit „30,000 Männern und 25,000 Frauen. 
Hasdrubal verteidigte sich noch mit 900 Überläufern in dem Tempel der Burg. 
Als er denselben nicht mehr halten konnte, rettete er sich zu den Römern und flehte 
fußfällig die Gnade des Siegers an. Die von ihm treulos Verlassenen steckten den 
Tempel in Brand und suchten und fanden den Tod. Als Hasdrubal's Gemahlin, 
vor dem Tempel stehend, ihren Gatten zn den Füßen Scipio's liegen sah, empörte 
sich ihr stolzes Herz, und mit bittrem Hohne rief sie ihm zu, er solle doch ja sein 
teures Leben schonen. Darauf stürzte sie sich mit ihren beiden Knaben in die Flam¬ 
men.— Scipio mußte Karthago auf Befehl des Senats den Flammen übergeben. 
*) Dieser Scipio Ämilianus war der Sohn des Ämilius Paulus (des Siegers 
von Pydna) und war von dem Sohne des Scipio Afrikanus adoptiert worden.
	        
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