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Die Einigkeit der Kaiserinnen unter sich war freilich keine vollkommene, 
aber nichtsdestoweniger Beider Wille einmüthig auf die Wohlfahrt des¬ 
königlichen Knaben und des Reiches gerichtet. 
Ehe aber noch die Fürsten ihre Entscheidung getroffen hatten, erhob 
sich schon Heinrich von Baiern, der nach Otto's II. Tod seiner Hast 
entlassen wurde; selbst heimlich nach der Kaiserkrone strebend, suchte er 
auf alle Weise den Einfluß der Frauen auf die Regierung und Vor¬ 
mundschaft zu beseitigen. Die deutschen Fürsten, voran der treffliche 
Erzbischof W i l l e g i s von Mainz, nach der Sage der Sohn eines Rade¬ 
machers, waren jedoch einmüthig dem jungen Kaiser zugethan, imfr 
man suchte Heinrich dadurch zu beschwichtigen, daß man ihm Baiern 
wiedergab, wofür der bisherige Herzog Kärnthen bekam. Damals war 
auch die Markgrafschaft Oestreich entstanden, welche dem Grafen Leopold 
von Babenberg zur Vertheidigung gegen die Magyaren übergeben wurde. 
Auch fand der Krieg gegen die Slaven ein glückliches Ende, da 
Mieczislaw, Herzog der Polen, mit den Deutschen sich vereinigte und 
den Feinden in den Rücken fiel. 
Zu dieser Zeit begab sich Adelheid, die als ehemalige Königin von 
Italien großen Anhang in diesem Lande hatte, nach Pavia und auch 
des Kaisers Mutter Theophania behielt als Regentin und Vormünderin 
ihres Sohnes ein Anrecht auf das römische Reich als höchstes Ziel ihres 
Strebens vor Augen. Sie selbst ging nach Rom und Otto folgte ihr auf 
die Kunde, daß Johann XV. mit Tode abgegangen sei und Crescentius 
mit teilt Titel eines Consuls Rom abermals beherrsche. Otto III. übte 
dort den ersten Akt der Herrschaft aus, indem er einen deutschen Fürsten, 
den jungen Bruno, Enkel des fränkischen Herzogs Konrad, zum Papste 
ernannte, welcher nach seiner Weihe den Namen Gregor \. annahm 
und den sechzehnjährigen König Otto III. mit der römischen Kaiser¬ 
krone schmückte. Es war ein eigenes Schauspiel in Rom, die beiden 
deutschen schönen und geistvollen Jünglinge auf den beiden Höhen irdi¬ 
scher Macht und Herrlichkeit zu sehen, von denen der eine 23, der an¬ 
dere 15 Jahre zählte, der ältere ein Urenkel, der jüngere ein Enkel Otto 
des Großen war. 
Gregor V. war der erste deutsche Papst, ein Mann von großem 
Verstand und eben so viel Thatkraft; doch konnte er nicht verhindern, 
daß. als Otto Rom verließ, Crescentius sich wieder erhob, den deutschen 
Papst vertrieb und sich als Consul die Oberherrschaft in Rom von Neuem 
anmaßte. Sogleich erschien Otto III. zum zweiten Male in Italien, er 
eilte mit seinem Heere nach Rom, eroberte die Engelsburg, in welcher 
sich Crescentius vertheidigt hatte, und ließ diesen nebst 12 anderen 
edlen Römern hinrichten. Mit dieser Gewaltthat begann Otto III. seine 
Regierung als römischer Kaiser. Als bald darauf Gregor V. starb, 
erhob Otto seinen ehemaligen Lehrer, den Erzbischof Gerbert von Rheims, 
der den Namen Sylvester II. annahm, auf den päpstlichen Stuhl.
	        
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