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Jüngling freiwillig ins Heer eintreten. In dem Jahre, wo er sein 20. Lebensjahr-
vollendet, muß er zur „Stellung". Wird er für tauglich befunden, fo tritt er im
Herbste als Rekrut ein. 2 oder 3 Jahre*) dient er dann unter der Fahne,
hierauf ist er bis zum 28. Jahre Reservist. Die 5 folgenden Jahre gehört er
der Landwehr ersten Aufgebots an und die übrigen bis zum 31. März des
Jahres, in dem er sein 39. Lebensjahr vollendet, der Landwehr zweiten Aufgebots.
Zum Landstürme gehören alle dienstfähigen Männer vom 17. bis zum 45. Lebens¬
jahre, die weder im Heere noch in der Marine gedient haben. Die deutsche
Flotte (Marine) zählt etwa 50 große Schiffe mit 400 Kanonen. Wer 12 Jahre
freiwillig beim Militär dient, bekommt den Zivil-Versorgungsschein und bei guter
Führung 1000 Mark Belohnung. Die Friedensstärke des Gesamtheeres soll 1 °/o
der Bevölkerung betragen.
b. Znvaliditäts- und Altersversicherung der Arbeiter.
Unter Wilhelm II. ist (1891) die schon von Wilhelm I. geplante Jnvali-
ditäts- und Altersversicherung in Deutschland eingeführt worden. Fast 12 Millionen
Arbeiter find dadurch vor bitterer Not geschützt, weun sie arbeits- und erwerbs¬
unfähig werden oder ein Alter von 70 Jahren erreicht haben. Etwa xj3 der
Versicherungsbeiträge muß der Arbeiter, */3 der Arbeitgeber und Vs der Staat
entrichten. Im Jahre 1895 sind an etwa 348 000 Personen mehr als 42
Millionen Mark ausgezahlt worden. Die Invalidenrente erhalt jeder, der
dauernd arbeitsunfähig geworden ist, die Altersrente jeder, der 70 Jahr alt ist
und während einer bestimmten Zeit Beitrag gezahlt hat. Unter allen Ländern
der Erde hat sich Deutschland zuerst des Arbeiters so in liebender Fürsorge
angenommen.
c. Sekbsternschähung.
Um die Steuerlast möglichst gerecht zu verteilen, hat man in Preußen die
Selbsteinschätzung eingeführt. Ein jeder, der mehr als 3000 Mark Einkommen
hat, ist demgemäß verpflichtet, die Höhe feines Einkommens genau anzugeben. Ein
kleines Einkommen wird verhältnismäßig weit geringer besteuert als ein großes.
So hat z. B. A. ein Einkommen von jährlich 1000 Mark, wovon er nur etwa
10—12 Mark Steuern zu zahlen hat. B. dagegen, dessen Einkommen sechsmal
so viel — also 6000 Mark — beträgt, hat nicht nur den sechsfachen Steuer¬
betrag des A., sondern wohl das Zwanzigfache (20 X 12 — 240 Mark) zu
zahlen. — Wer fein Einkommen wissentlich zn niedrig angibt, verfällt in harte
Strafe. Dem Beispiele Preußens sind auch einige andere deutsche Staaten gefolgt.
d. Staatshaushalt und Staatsschulden.
1. Staatshaushalt. Die Einnahmen und Ausgaben des Reiches sowie fast
aller Bundesstaaten werden durch ein Gesetz im voraus auf ein Jahr geregelt.
Diese Zusammenstellung nennt man den Reichs- bezw. Staatshaushalt (Etat oder
Budget). Decken die Einnahmen die Ausgaben, so ist er im Gleichgewichte, über¬
steigen dagegen die Ausgaben die Einnahmen, so entsteht ein Fehlbetrag (Defizit),
übersteigen die Einnahmen die Ausgaben, so entsteht ein Überschuß.
2. Staatsschulden. Wenn der Staat mehr Geld auszugeben hat, als er
einnimmt (was zur Erreichung wichtiger Zwecke, wie z. B. zur Herstellung einer
Eisenbahn oder eines Kanals, zuweilen nötig ist), so ist er gezwungen, eine
*) 3 Jahre bei der Kavallerie, der reitenden Artillerie und der Flotte, in dyt anderen. irm
Truppenteilen 2 Jahre. j^örg^ckeri-mstitll
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