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7. Es liefen noch ein paar Jungen herzu. Sie waren zu
66 spät gekommen, um sich an diesem Heldenstück zu beteiligen.
Aber sie waren indessen nicht müßig gewesen. Der eine trug ein
zierliches Etwas in der Hand, ein Kunstwerk, von keinem Menschen
nachzuahmen, aber leicht zu zerstören von roher Hand: ein Vogel¬
nest. Und darin kleine, bläuliche, weißgepunktete Wunder; ja
70 ein Wunder solch ein Ei, aus dem einmal ein Vöglein wird,
und darin eingeschlossen so viel treue Elternliebe. Alles zerstört,
das Wunder, das Vöglein und alle Elternsorgfalt, das Glück und
die Hoffnung des ganzen Sommers! —
Heißt das Freude, Erhebung in der Natur finden?
Emma von Borgstede.
188. Die Erdbeere.
1. „Kinder, heute mittag gibt es was Schönes," sagt die
Mutter und bringt eine verdeckte Schüssel herein. Die Kinder
sind gespannt, was wohl darin sein mag, und wie der Deckel
aufgehoben wird, ertönt ein allgemeines „Ah!" Denn rote Erd-
6 beeren, mit Zucker bestreut, lachen ihnen entgegen, und frische
Milch gibt es dazu. Das wird schmecken! Was knirscht denn
beim Essen immer so zwischen den Zähnen? Das sind die
Früchte der Erdbeere. Aber die Früchte der Erdbeere sind
doch weich! O nein, was man für gewöhnlich die Frucht
10 nennt, mit dem schmackhaften Fleisch, das ist nur eine Schein¬
frucht. Die eigentlichen Früchte sind die bräunlichgelben Körner,
die obendrauf sitzen. Diese sind hart und knirschen, wenn
man auf sie beißt. — So prächtig hat selten etwas geschmeckt
wie heute. Aber Felderdbeeren sollen noch würziger sein
15 als Gartenerdbeeren. So hat der Vater gesagt, und darum
wird beschlossen, am Sonntag hinauszugehen und Erdbeeren
zu pflücken.
2. Am Sonntag ist schönes Wetter, und es geht hinaus
ins Freie. Kaum ist man im Felde, da entdeckt eins der Kinder
20 auf einem Erdwall einen Fleck, auf dem eine Menge Erdbeer¬
pflanzen stehen. Wie fiub die dahin gekommen? Das will ich
euch erzählen.