Full text: Sagen und Geschichten

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ben brandenburgischen Staat der Kurfürst Friedrich Wilhelm der 
Große (1640—1688) gebracht. 
©eine Jugend fiel in die traurige Zeit des Dreißigjährigen Krieges. 
Um den Knaben vor dem kriegerischen Treiben zu sichern, schickte man 
ihn nach Küstrin und daraus nach Pommern, nach Wolgast, wo er 
zugegen war, als die Leiche seines Oheims, des Schwedenkönigs Gustav 
Adolf, zu Schiff nach Schweden hinübergeführt werden sollte. Von 
großem Einfluß auf den Kurprinzen war ein vierjähriger Aufenthalt dessel¬ 
ben in den freien Niederlanden, welcher Staat trotz feines geringen Umfangs 
durch die Tüchtigkeit und den Unternehmungsfinn feiner Bewohner 
einen herrlichen Aufschwung genommen hatte. Neben Handel und Ge¬ 
werbe standen hier auch Künste und Wissenschaften in hoher Blüte. 
In diesem Lande lernte der Prinz vieles kennen, was ihm später als 
Fürsten von Wert und Bedeutung werden sollte, zugleich bewährte er 
hier aber auch seine Standhaftigkeit, indem er alle Lockungen zu einem 
ausschweifenden Leben zurückwies. 
iv40 Als sein Vater 1640 starb, tobte noch der Dreißigjährige Krieg, 
durch den Brandenburg völlig verwüstet und entvölkert wurde. Im 
Westfälischen Frieden 1648 wurde das Gebiet des Kurfürsten durch 
Pommern östlich der Odermündung (Hinterpommern) und andere Lan¬ 
desteile beträchtlich vergrößert. 
Um seinem Staate einen sicheren Schutz und größere Selbständig¬ 
keit zu verleihen, suchte Friedrich Wilhelm sich ein kriegstüchtiges Heer 
zu schaffen. Hierbei wurde er von einem trefflichen Feldherrn, Georg 
von Dersslinger, unterstützt, der von niedriger Herkunft war und 
früher in schwedischen Diensten gestanden hatte. Er erwarb sich be¬ 
sonders um die Ausbildung der brandenburgischen Reiterei große Ver¬ 
dienste und wurde später zum Feldmarschall und in den Freiherrnstand 
erhoben. 
Der Derfflinger war ein Schneidergesell, 
Doch nimmer ließ es ihn rnh'n; 
Er dachte an andres als Nadel und Ell': 
„Was aber, was soll ich thun?" 
Da ward er ein rascher Reitersmann, 
Zum Teufel schmiß er die Ell', 
Dafür packt er 'nen Degen an, 
Den schwang er gewichtig und schnell."*) 
*) Feldmarschall Derfflinger. Von v. Sallet.
	        
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