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B. Länderkunde. — VI. Europa.
Mit ihm ist Solingen (50), die Stadt der Waffen-, Messer- und Scherenschmiede,
durch die Müngsteuer Brücke verbunden. Im engen Wuppertal bildet die lang-
gestreckte Zwillmgsstadt Elberseld-Barmen (350, Bild 227), das „deutsche Man-
chester", den Mittelpunkt einer bedeutenden Banmwoll-, Woll-, Seiden-und Färberei-
iudustrie. Sämtliche benachbarten, dichtbevölkerten Täler und Höhen sind mit
Fabrikorten übersät, die sich allmählich zusammenschließen. Zum Bereich des Wupper-
industriegebietes gehört auch dieStadt Düsseld ors am Rhein (360), der Aus- und
Einfuhrplatz für die Erzeugnisse und Bedürfnisse des Bergischen Landes. (Vgl. § 330.)
Im Hügellande der Ruhr wurde Essen (300) weltberühmt durch Krupps
Flußstahlwerki, das 1910 allein im Essener Werk 38000 Arbeiter beschäftigte.
Die Stadt ist umgeben und teilweise verwachsen mit einem Kranze betriebsamer,
stark bevölkerter Landgemeinden und weithin sich dehnender Jndnstriewerke. Mül-
heim an der Ruhr (120) hat Ruf durch Eisenwerke und Lederfabriken, nördlich
davon ist Oberhausen (90) ein bedeutender Eisenbahnkreuzungspunkt. An der
Mündung der Ruhr in den Rhein bildet Duisburg (230) den Ein-und Ausfuhrhafen
des Kohlenreviers und dem Verkehrsumfange nach den weitaus bedeutendsten deut-
schen Binnenhafen. (Vgl. § 330.)
2. Westfalen. Nahe an Effen vorbei verläuft die Grenze Westfalens. In
dem dichtbevölkerten Streifen.längs der Ruhr herrscht Eisen- und Kohlenindustrie
(Bild 228), nördlich der Ruhr überwiegt allmählich die letztere. Hammerwerke, ge-
trieben durch das in kleinen und großen Talsperren aufgefangene Wasser, Flußstahl-
und Walzwerke, Gießereien, Drahtziehereien und andere Werke geleiten mit ihrem
Betriebslärm von Hagen (90) bis in die Nähe von Iserlohn (35), das Nadeln,
Bronze- und Messingwaren, und Lüdenscheid (35), das Kleinmetallwaren der
mannigfaltigsten Art erzeugt. Arnsberg (10) an der oberen Ruhr ist Hauptstadt
des gleichnamigen Regierungsbezirks. Siegen (30) bildet den Mittelpunkt eines
großartigen Eisen- und Kupferbergbaus mit bedeutendem Hüttenbetrieb.
3. Hessen-Nassau. Den größten Teil des Westerwaldes und des Taunus um-
saßt der Regierungsbezirk Wiesbaden (Provinz Hessen-Nassan); nur das eisen-
reiche Land um Wetzlar an der Lahn (15, Hochofenwerke, Glashütten) gehört zum
Regierungsbezirk Eoblenz. Zu beiden Seiten der Lahn wird bedeutender Berg-
bau auf Eisen betrieben, indes ist kein größerer Jndustrieort hier entstanden.
Der Taunus ist infolge feiner zahlreichen Mineralquellen die bäderreichste Land-
schast des Deutschen Reiches. Hier liegen: Ems (7, mit Heilquellen im Lahntal),
Selters (kohlensaures Wasser), das vornehme Homburg „vor der Höhe" (15),
Nauheim (hessisch), Soden und Wiesbaden (110), eine Villenstadt und ein
Weltbad (wie Baden-Baden) am Südrande des Gebirges.
i Außer dem Essener Flußstahl- und Walzwerke, der „Kanonenfabrik", besitzt die
Firma Krupp Kohlen- und Eisenbergwerke in Westfalen, Eisengruben in den Baskischen
Provinzen Eigener Dampferverkehr dahin), Hochöfen an verschiedenen Punkten des Rheins
(Duisburg, Neuwied), das Grusonwerk in Magdeburg (Panzerplatten und Maschinenfabrik,
einen Schießplatz in Meppen und die Germania-Schiffswerft in Kiel. Unerreicht sind
Krupps Wohlfahrtseinrichtungen für Arbeiter (Wohnnngen, Fortbilduugs- und Erholungs¬
einrichtungen, Konsumanstalten, Jnvalidendörfer) und für Beamte. Insgesamt beschäftigte
Krupp 1910 rund 70000 Arbeiter. Die Bewohnerzahl der Arbeiterkolouien betrug 147 000.