Full text: Das Deutsche Reich (Teil 3)

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Und der Himmel hat das Racheflehen des Kaisers erhört! In meilen- 
weiten Gräbern liegen hier auf öder Heide alle jene Meineidigen, die das 
Unglück des frommen Kaisers verschuldeten. Da schlafen auch die freveln- 
den Söhne, uud wie sie ihrem Vater des Lebens Glück uud des Herzens 
Ruhe geraubt haben, so kommen sie selbst in aller Ewigkeit nicht zur Ruhe; 
denn nimmermehr wird der Fluch von diesem Felde genommen, das seit 
jenem Tage das Lügenseld heißt!" 
So schloß der Krieger seine Erzählung, dann versank er vor den Augen 
des erschrockenen Wanderers in den Erdboden, der sich mit dumpfem Dröh- 
nen öffnete und wieder schloß, nachdem er seine Beute verschlungen hatte. 
Nach Pfeil. 
47. Das Riesenspielzeug. 
Vor vielen, vielen Jahren stand im Elsaß eine Burg, Niedeck genannt. 
Auf ihr hauste ein Riesengeschlecht, das den Menschen freundlich gesinnt 
und zur Hilfe in der Not bereit war. Die Burg lag tief im Walde versteckt, 
und es bedurfte vieler Riesenschritte, um zu den Wohnungen der Menschen 
zu gelangen. Darum war auch das Riesenfraulein über die Maßen ver-- 
wundert, als es eines Tages weiter als gewöhnlich, bis an den Saum des 
Waldes, ihren Spaziergang ausgedehnt hatte und plötzlich eine weite Fläche 
Ackerland vor sich sah. Was aber ihre Verwunderung noch mehr steigerte, 
war ein Bauer, der hinter dem mit zwei Pferden bespannten Pfluge her- 
ging und pflügte. „Das ist ein prächtiges Spielzeug, wart, dich nehme ich 
mit nach Haus!" So rief sie voller Freuden und klatschte in die Hände, daß 
es weit hinausschallte und Bauer und Pferde stutzten. Dann lief sie auf 
den Bauer mit seinem Gespann zu, kniete nieder, strich alles, Pferde, Pflug 
und Bauer, in ihre Schürze und trat fröhlich den Heimweg an. Der Riesen- 
vater daheim war voller Neugierde, was seinem Töchterchen so überaus 
Freundliches widerfahren sein möchte, denn etwas Gutes mußte es sein; 
das erkannte er an ihrem lachenden Gesichte und ihrem freudigen Zuwinken. 
„Was hast du denn, Kind?" fragte der Alte, als sein Töchterchen ins Zimmer 
eingetreten war, „du bist ja ganz außer dir vor Freude! Laß doch sehen, 
was bringst du denn da in deiner Schürze?" „Ach Vater," jubelte das Kind, 
„ein prächtiges, lebendiges Spielzeug!" Nach diesen Worten öffnete sie 
ihre Schürze und stellte alles, Pferde, Pflug und Bauer, auf den Tisch vor 
den Vater ihn. Der Riesenvater aber runzelte die Stirn, wiegte gar be- 
denklich das Haupt hin und her und sprach: „Kind, was hast du angerichtet! 
Du hast den Bauer von seiner Arbeit im Felde weggenommen und wähnst, 
du habest dir ein Spielzeug mit nach Hause gebracht. Merke dir: Der Bauer 
ist der nützlichste aller Menschen, denn durch seine mühevolle Arbeit zwingt 
er die Erde zur Hervorbringung aller Früchte, ohne die weder Menschen, 
noch Tiere, noch weniger wir Riesen leben können. Weißt du denn nicht, 
woher das Brot kommt, das du täglich verzehrst? Der Bauer muß säen
	        
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