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III. Länder- und Völkerkunde. 8. Asien.
lohnen. Enthält sie doch die begabtesten Länder des asiatischen Fest¬
lands! Es herrscht hier große, mannichfaltige Fruchtbarkeit des Bodens
und ein Reichthum an den verschiedensten mineralischen Stoffen; die
schönen Flüsse gewähren einen ungehinderten Binnenhandel nach allen
Richtungen; die Anzahl und Vortrefflichkeit der Häfen bietet Gelegen¬
heit für jeglichen Weltverkehr nach Indien und China, nach Australien
und Afrika.
Die Bewohner der Halbinsel sind nach Gestalt und Sprache den
Völkern des Mittelreiches verwandt; je näher ihre Sitze dieser Cultur-
heimath des östlichen Asiens, desto inniger ist auch die Verwandtschaft.
Mit Ausnahme der Annamesen haben sie aber sämmtlich ihre Religion
und Cultur aus Indien erhalten. Die Literaturen sind auf dem Grunde
der über Ceylon eingeführten Religionsbücher und Legenden des Bud¬
dhismus herangewachsen; selbst die Sprachen der westlichen Indo-
Chinesen haben durch Aufnahme einer großen Anzahl indischer Wörter
ihren einsilbigen chinesischen Charakter zum Theil verändert. In den
entfernteren Ländern, im obern Laos und Tongking und zu Kambodscha,
Tsiampa, Cochin-Chiua und Iunnan, welches in jeder Beziehung zur
Halbiusel gehört, konnte der im Laufe der ersten Jahrhunderte unserer
Zeitrechnung eindringende Buddhismus, so wenig wie in China selbst,
die einheimischen Sprachen und Glaubensformen verdrängen. Die alt¬
chinesische Naturreligion hat sich hier immer noch als herrschende er¬
halten.
259. Die horizontale und vertikale Gliederung Hinter-Indiens.
(Noch C. Ritter, Erdkunde, und H. Berghaus, gco-hydrographisches Memoir
von Hinter-Jndien.)
Unter den Dwipas oder Halb-Eilanden der indischen Erdwelt nimmt
das continentale Hinter-Jndien, an dem Südostende Asiens, die
Gestalt eines dreifach getheilten, vielfach eingeschnittenen Lotosblattes ein,
und weiset mit der äußersten langgestreckten Südspitze hinüber auf die
sundische Inselgruppe und durch diese auf sein Verhältniß zur Austral¬
welt. Es trennt die chinesischen Gewässer im Osten von den bengali¬
schen im Westen, der sundische Archipelagus liegt ihm im Süden vor;
cs tritt gegen den Norden in immer breiterem Zusammenhange mit dem
continentalen Stamme von Central-Asien hervor; es steht dort unmit¬
telbar in Verbindung mit dem Südrande des gemeinsamen Hochlandes,
und dieses sendet seine vielfachen Gliederungen, sei es in Berg- wie
in Strom-Systemen, durch diese Halbinsel aus in Meridianen, unter sich
mehr oder weniger parallelen oder radienartig auseinander gehenden
Richtungen gegen Süden und Südosten. Hiedurch, wie durch die viel¬
fachen Wechsel der Längen und Breiten der unter sich wieder abge¬
sonderten horizontalen Räume, so auch nach Tiefen und Höhen der ver-