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2. Wie es dem Jünglinge damals ums Herz gewesen sein mag, zeigt 
folgende Stelle in einem später von ihm erlassenen Aufrufe an seine Arbeiter: 
Ihh siand an dem vaterlichen Erbe mit wenigen Arbeitern in einer Reihe. 
Der ganze Wochenlohn für Schmiede und Schmelzer betrug damals 
11, Taler. Fünfzehn Jahre lang habe ich gerade so viel erworben, um 
den Arbeitern ihren Lohn auszahlen zu können; für meine eigne Arbeit 
und meine Sorge hatte ich nichts weiter als das Bewußtsein der Pflicht⸗ 
erfüllung.“ Er, der vom siebenten Jahre sein Reitpferd gehabt, mußte 
jetzt vom frühen Morgen bis zum späten Abend, oft auch die Nacht hin⸗ 
durch, vor Amboß und Esse im Schweiße seines Angesichts sein und seiner 
Angehörigen tägliches Brot erwerben. „Ich sollte“, so erzählt Krupp 
einmal, „laut Testament für Rechnung meiner Mutter den Fabrikbetrieb 
fortsetzen, ohne Kenntnis und Erfahrung, ohne Kraft, Mittel und Kredit, 
Von meinem 14. Jahre an hatte ich die Sorge eines Familienvaters und 
die Arbeiu bei Tage, des Nachts Grübeln, wie die Schwierigkeiten zu über— 
vinden wären. Bei schwerer Arbeit lebte ich oft bloß von Kartoffeln, 
Kaffee, Butter und Brot, ohne Fleisch, mit dem Ernste eines bedrängten 
Familienvaters, und 25 Jahre lang habe ich ausgeharrt, bis ich endlich 
bei allmählicher Besserung der Verhältnisse eine leidliche Existenz errang. 
Meine letzte Erinnerung aus der Vergangenheit ist die so lange dauernde, 
drohende Gefahr des Untergangs und die Überwindung durch Ausdauer, 
Entbehrung und Arbeit, und das ist es, was ich jedem Manne 
zur Aufmunterung sagen möchte, der nichts hat, der nichts ist und was 
werden will.“ — 
3. Er lernte bald Gußstahl in verschiedenen Härten erzeugen und 
erfand ein Verfahren, plattierte Löffel zu walzen. Durch diese Erfindung 
erwarb er sich die Mittel für ausgedehntere Einrichtungen und Versuche. 
Seine wertvollste Erfindung waren die stählernen Eisenbahnradreifen ohne 
Schweißung. Sie brachte ihm viel Ehre und großen Gewinn, so daß er 
seinen Betrieb wieder bedeutend erweilern konnte. Auf der ersten Welt— 
ausstellung in London konnte er Stahlblöcke ausstellen, die 1000 kg schwerer 
Poaren als die der Engländer, und auf der zweiten Londoner Ausstellung 
zeigte er gar einen Gußstahlblock von 5000 kg Gewicht, den ein Dampf⸗— 
hammer von zehnfacher Schwere mitten durchgebrochen hatte, und ein 
ausgeschmiedetes Stück Gußstahl von 18 000 8 Gewicht, dessen Größe 
und gleichmäßiges Gefüge die ganze Welt in Staunen setzte. 
4. Im Jahre 1873 waren 25 Jahre verflossen, seitdem Krupp die 
Fabrik selbst übernommen hatte. Von seiten seiner Arbeiter war eine 
große Feier geplant; aber Krupp, der kein Freund von festlichen Ver⸗ 
anstaltungen war, verreiste auf unbestimmte Zeit. So blieb seinen Ange— 
stellten nichts anderes übrig, als das Geschenk, ein eichenes Schreibpult, 
in sein Zimmer zu stellen. Krupp gedachte indes des Tages in anderer 
Weise. Das Symbol seines arbeitsvollen Lebens war ihm jenes ein— 
stöckige Stammhaus, das er in pietätvoller Erinnerung an seiner Stelle 
beließ und ganz nach der ersten Einrichtung wiederherstellte. Unter eine
	        
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