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ertragfähiger zu machen. Die bedeutendste Fehukolonie ist Papenburg
(Torshandel, Schiffsbau).
3. Das Marschland. Au der Küste haben die Nordsee und die Flüsse
seinen Sand und Tonschlamm angeschwemmt. Der Boden ist bis zur Hälfte
untermischt mit den Resten der Meeres- und Flnßtierchen, welche in dem
Gemisch von Süß- und Salzwasser, dem sogenannten Brakcwasser, massenhaft
sterben. Der angeschwemmte Boden steigt allmählich über den Meeresspiegel
und bildet das Marschland. Durch mühsam angelegte Deiche wurde das
Land gegen das Meer geschützt und durch Kanäle entwässert. Dieser neu¬
gewonnene, sehr fruchtbare Boden ist völlig eben und baumlos. An den
trockneren Stellen gewinnt man schweres Korn, und auf den kräftigen Weiden
zieht man zahlreiche Rinder- und Pferdeherden, wodurch der Wohlstand der
Marschbauern (Friesen) bedingt wird. Diese wohnen in einzelnen Gehöften,
welche sie ans künstlichen Hügeln (Wurten) ans Ziegelsteinen erbauen. Größere
Städte fehlen in der Marsch; sie liegen auf dem Geestland, das mit seinem
Sandboden einen besseren Baugrund bietet. Husum mit großen Viehmärkten
ist der bedeutendste Ort in der Marsch. In den Flußmarschen der Elbe
liegen die Vierlande (vier Elbinseln), die vorzügliches Gemüse, Obst und
Blumen nach Hamburg senden.
4. Die Nordsee und ihre Küste. Die Nordsee ist eine Flach sec,
d. h. sie ist nur an wenigen Stellen über 100 in tief. Ihr starker Salz¬
gehalt (ans 100 1. Meereswasser 3^/21 Salz) verhindert das Gefrieren. Sie
hat Ebbe und Flut, und zwar steigt das Wasser ungefähr 6 Stunden lang
und fällt dann in der gleichen Zeitdauer wieder. Diese Erscheinung macht
sich weit landeinwärts in den Mündungen der großen Flüsse bemerkbar. Die
Flutwellen werden bisweilen durch heftige Nordweststürme an die Küste ge¬
worfen. Es entsteht die gefürchtete Sturmflut. Da die Küste flach und
wenig widerstandsfähig ist, so hat das Meer große Buchten an ihr ausge¬
spült, z. B. den Dollart und den Jadebusen. Der stillen Arbeit von
Ebbe und Flut verdanken die Trichtermündungen der Flüsse ihre Entstehung.
Auch die Jnselreihe an der Küste gibt Zeugnis von der vernichtenden Tätig¬
keit des Meeres. Die Friesischen Inseln und die Halligen an der
Holsteinischen Küste bilden den ehemaligen Saum des Festlandes. Zur Ebbe-
zeit tritt heut noch der Meeresboden zwischen diesen und dem Festlande als
Watten hervor. Alan kann ans ihnen gehen oder sie mit Wagen befahren.
Den Schiffern wird die Küste mit ihren Untiefen und Sandbänken sehr ge¬
fährlich. Nur durch zahlreiche Seezeichen (Leuchttürme, Leuchtschiffe, Tonnen)
ist der Zugang zu den Flußmündungen möglich.
Da die Küstenbewohner von Jugend auf die Gefahren der Nordsee
überwinden müssen, so sind sie vorzüglich für den Seedienst tauglich. Sie
gehen ans den Fischfang (Heringe, Schellfische, Dorsche, Lachse, Flundern —
Hummern und Austern), oder sie sind in den Badeorten auf den Friesischen
Inseln beschäftigt (Sylt, Föhr, Amrum, Norderney). Die meisten haben
aber auf den großen Personen- und Frachtschiffen Anstellung gesunden, welche
täglich zu Hunderten das Wasser der Nordsee durchfurchen und durch „den