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konnte eine gut schwäbische Antwort hären,- hoffentlich hat er sie
verstanden.
Jetzt hätte ich mich eigentlich zum Militär stellen sollen. Aber
der Nhein rauschte immer noch so schon weiter hinab, und, offen ge¬
standen, die preußischen Unteroffiziere, welche ich sah, machten mir
keinen großen Appetit. So ging ich denn weiter, Düsseldorf zu.
von Düsseldorf aus hätt's nun eigentlich in die Naserne gehen sol¬
len, aber ich hatte immer noch solchen Respekt vor dem preußischen,
daß ich mich abends in den Zug setzte, oder besser gesagt, stellte, —
es war ja die vierte Ulasse! — und flugs Hamburg zudampfte. In
Hamburg wurde ich gemustert und wider Erwarten frei.
Nun konnte die Arbeit wieder losgehen. Wenn ihr nicht wißt,
wie man damals nach Arbeit gesucht hat in einer Stadt wie Hamburg,
so will ich's euch erzählen. Ich gehe auf die Schmiedeherberge. Tür
auf, aber nur mit einem Fuße eintreten! Ich fange an: „Mit Gunst
zu fragen, ist die Schmiedeherberge hier?" Niemand im Zimmer rührt
sich. „Mit Gunst zu fragen, ist der Vater (Herbergsvater) zu Haus?"
Ueine Antwort. „Mit Gunst zu fragen, ist die Mutter zu Haus?"
Alles bleibt still. „Mit Gunst zu fragen, ist Bruder und Schwester
zu Haus?" Wieder nichts. Nun setze ich den andern Fuß auch hinein
und sage: „Mit Gunst, so möcht' ich, daß Stühle und Bänke reden,
ob sie mich und mein Bündel diese Nacht beherbergen wollen, damit
ich morgen mit Gott und Ehren weiterwandern möge." Jetzt stehen
alle auf wie ein Mann und rufen: „Mit Gunst, Herr Bruder!" Also
bin ich eingeführt. Wenn ich kein Geld habe, kann ich jetzt zwei bis
drei Tage umsonst in der Herberge bleiben, aber die Arbeit muß
ich annehmen, welche mir angeboten wird; sonst kann ich mich ver¬
abschieden. Zu meiner Zeit war leicht Arbeit zu bekommen, und man
verdiente etwas. Allerdings, wer nicht zünftig eintrat, konnte vier¬
zehn Tage lang umsonst nach Arbeit suchen. Ich ließ mich in Ham¬
burg in die Zunft aufnehmen, wofür ich an einem Sonntage den
Gesellen Bier zahlen mußte.
Bald kam ich in Hamburg in Hot; ich verstand die Leute nicht.
Gleich an einem der ersten Tage kam ein Bursche in meine Schmieden
„Gaud Moorn, Du lütten Decken; slog min perd twei nüe Achterise op;
il Dick en beten, ek heww Ken Tid." Es war ein Milchsuhrmann
mit blauen Augen und hellen haaren, und doch sprach er nicht
Deutsch? Gustav, wie wird dir's gehen? In gutem, reinem Schwä¬
bisch fragte ich ihn: „Was wollat Sia?" Noch einmal dieselbe chine¬
sische Anrede. Zum Troste fand ich den Meister, und der übersetzte:
„Guten Morgen, Du kleiner Dicker; schlag meinem Pferde zwei Hinter¬
eisen auf: eil Dich ein bißchen, ich hab' keine Zeit."