Max von Schenkendorf.
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15. Ostern.
1816.
Ostern, Ostern, Frühlingswehen,
Ostern, Ostern, Auferstehen
aus der tiefen Grabesnacht!
Blumen sollen fröhlich blühen,
Lerzen sollen himmlisch glühen,
denn der Leiland ist erwacht.
Trotz euch, höllische Gewalten!
Lättet ihn wohl gern behalten,
der euch in den Abgrund zwang.
Konntet ihr das Leben binden?
Aus des Todes düstem Gründen
dringt hinan sein ew'ger Gang.
Der im Grabe lag gebunden,
hat den Satan überwunden —
und der lange Kerker bricht.
Frühling spielet auf der Erden,
Frühling soll's im Lerzen werden,
herrschen soll das ew'ge Licht.
Alle Schranken sind entriegelt,
alle Loffnung ist versiegelt
und beflügelt jedes Lerz;
und es klagt bei keiner Leiche
nimmermehr der kalte, bleiche,
gottverlass'ne Leidenschmerz.
Alle Gräber sind nun heilig,
Grabesträume schwinden eilig,
seit im Grabe Jesus lag.
Jahre, Monde, Tage, Stunden,
Zeit und Raum, wie schnell verschwunden!
And es scheint ein ew'ger Tag.
16. Sonntagsfrühe.
1816.
Gottesstille, Sonntagsfrühe,
Ruhe, die der Lerr gebot!
Meine Seele, wach' und glühe
mit im Hellen Morgenrot.
Könnt' ich in dem Zimmer bleiben,
wann das Volk zur Kirche wallt?
Könnt' ich Alltagswerke tteiben,
wann der Glockenruf erschallt?
Wo die holden Worte weilen,
die der Lerr auf Erden sprach,
lasset auch das Brot mich teilen,
das er seinen Jüngern brach.
O, das nenn' ich sel'ge Stunde,
wo man dein, o Lerr, gedentt,
wo man mit der frohen Kunde
von dem ew'gen Leil uns tränkt.
Neues Leben, neue Stärke,
reiner Andacht frische Glut
zu dem frommen Liebeswerke
schöpf ich aus der Gnadenflut!
And von göttlichen Gedanken
einen reichen Blütenstrauß
trag' ich heimwärts, Gott zu danken
in dem kleinen, stillen Laus.
Erde weit und ohne Grenzen!
Limmel drüber ausgespannt!
Reich an Sternen und an Kränzen,
scheint ihr mir ein heilig Land.
Laß die Flamme stets mir brennen,
o mein Leiland Jesu Christ!
Laß es alle Welt erkennen,
daß mein Lerz dein Altar ist!