Sechster Zeitraum.
Die Consuln ließen sich gar nicht sehen. Darum wurden
Publilius Philo und Papirius Cursor als Con—
fuln angestellt, die gleich ihr Amt antraten, und den Senat
versammelten. Da erschienen auch Postumius, Vetu—
rius und alle Urheber des caudinischen Vertrages. Postu—
mius nahm das Wort, und erklärte, das römische Volk sei
an den caudinischen Vertrag nicht gebunden, weil es ihn
nicht vorher genehmigt habe, sondern nur die Bürgen des—
selben, die cuern und die andern Obersten des Heeres;
diese möge Rom den Samnitern zur Rache ausliefern, und
dann mit ruhigem Gewissen den Krieg fortsetzen. Man er—
staunte über die Vaterlandsliebe des Postumius, und befolgte
seinen Rath. Postumius, Veturius und die übrigen ließen
sich willig die Hände auf den Rücken binden, und so sich durch
einen Fecial nach Caudium zum Pontius bringen. Dieser be—
sich sehr über die Falschheit der Römer, ließ die Ge—
angenen, die ihm gebracht wurden, alle los, und noch in dem—
selben Jahre schloß der Consul Papirius Cursor ein samniti-
sches Heer ein, und schickte es ebenfalls unter das Joch her.
So wurde von dem römischen Namen der Schimpf abgewaschen.
8 3.
Der Krieg mit Tarent.
(280 v. Chr.)
Der samnitische Krieg endigte mit der Eroberung des
ganzen feindlichen Landes. Nun erhielten die Römer unzäh—
liche Bundesgenossen, die ihnen in andern Kriegen beistehen
muͤßten. Mittelitalien gehoͤrte ihnen; wohin Jaͤtten sie sich
lieber wenden können, als nach dem reichen Unteritalien,
diesem Sitze der Ueppigkeit, der seit Pythagoras Zeiten zwar
sittlich immer mehr entnervt war, aber doch äußerlich durch
seinen Seehandel und durch griechische Künste noch immer
blühend genannt werden konnte!
Tarent gab die Veranlassung zum Kriege. Diese reiche,
in Wollüste versunkene Republik, hetzte lange im Stillen die
Völkerschaften Unteritaliens gegen die Römer auf, und ver—
griff sich einmal selbst an einigen römischen Schiffen. Der
Senat sandte sogleich einen Abgeordneten nach Tarent, ei-
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