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Title:
[Teil 8]
Persons:
Supprian, Karl Gabriel, Heinrich
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14606907
<br> jemand sein, der kapabel wäre, es zu dolmetschen. Wenn ich das wüßte, <br> sagte der Frieder und schaute ans die Uhr, die er unterwegs noch an einem <br> Nagel gefunden hatte, so wollte ich ja lieber noch ein paar Stunden zu¬ <br> strecken bis in die nächste Stadt. Um neun Uhr kömmt der Mond. Der <br> Thorhüter sagte: Es wäre unter diesen Umständen fast am besten, wenn <br> Ihr gerade durchpassiertet, ohne euch aufzuhalten, das Städtel ist ja nicht <br> groß, und war froh, daß er seiner los ward. Also kam der Frieder <br> glücklich durch das Thor hinein. Im Städtlein hielt er sich nicht länger <br> ans, als nötig war, einer Gans, die sich auf der Gasse verspätet hatte, ein <br> paar gute Lehren zu geben. In euch Gänse, sagte er, ist keine Zucht zu <br> bringen. Ihr gehört, wenn's Abend ist, ins Haus oder unter gute Auf¬ <br> sicht. Und so packte er sie mit sicherem Griff am Hals und mir nichts <br> dir nichts unter den Mantel, den er ebenfalls unterwegs von einem Unbe¬ <br> kannten geliehen hatte. Als er aber an das andere Thor gelangte und <br> auch hier dem Landfrieden nicht traute, drei Schritte von dem Schilderhaus,. <br> als sich inwendig der Söldner rührte, schrie der Frieder mit herzhafter <br> Stimme: Wer da! Der Söldner antwortete in aller Gutmütigkeit: Gut <br> Freund! Also kam der Frieder glücklich wieder zum Städtlein hinaus und <br> über die Grenzen. <br> 60. Einer oder der andere. <br> (Johann Peter Hebel.) <br> Es ist nichts lieblicher, als wenn bisweilen gekrönte Häupter sich uner¬ <br> kannt zu dem gemeinen Mann herablassen, wie König Heinrich der Vierte <br> in Frankreich, sei es auch nur zu einem gutmütigen Spaße. <br> Zu König Heinrichs des Vierten Zeiten ritt ein Bäuerlein vom Lande <br> her des Weges nach Paris. Nicht mehr weit von der Stadt gesellt sich <br> zu ihm ein anderer, gar stattlicher Reiter, welches der König war, und sein <br> kleines Gefolge blieb absichtlich in einiger Entfernung zurück. „Woher des <br> Landes, guter Freund?" — „Da und da her." — „Ihr habt wohl Ge¬ <br> schäfte in Paris?" — „Das und das; auch möchte ich gerne unsern guten <br> König einmal sehen, der so väterlich sein Volk liebt." Da lächelte der <br> König und sagte: „Dazu kann Euch heute Gelegenheit werden." „Aber <br> wenn ich nur auch wüßte, welcher es ist unter den vielen, wenn ich ihn <br> sehe!" Der König sagte: „Dafür ist Rat. Ihr dürft nur acht geben, <br> welcher den Hut allein auf dem Kopfe behält, wenn die andern ehrerbietig <br> ihr Haupt entblößen." Also ritten sie miteinander in Paris hinein, und <br> zwar das Bäuerlein hübsch ans der rechten Seite des Königs. Denn das <br> kann nie fehlen: Was die liebe Einfalt Ungeschicktes thun kann, sei es gute